In Zusammenarbeit mit dem Käte Hamburger Kolleg / Centre for Global Cooperation Research Duisburg. Übersetzt aus dem Französischen von Eva Moldenhauer. Eine andere Welt ist nicht nur möglich, sie ist auch absolut notwendig. Die globalen Probleme des Klimawandels, der Armut, sozialen Ungleichheit oder der Finanzkrise erfordern ein Umdenken und veränderte Formen des Zusammenlebens. Viele Bewegungen, Initiativen und Gruppierungen suchen aktuell schon nach alternativen Wegen. Ihnen allen gemeinsam ist das Streben nach einer neuen Kunst, miteinander zu leben (con-vivere). Konvivialismus bedeutet das Ausloten von Möglichkeiten, wie jenseits der Wachstumsgesellschaft ein Zusammenleben möglich sein kann, wie Sozialität, Konflikt und Individualität aufeinander bezogen werden und wie ökologisch und sozial nachhaltige Formen demokratischen Lebens ausschauen können. Eine neue politische Philosophie erscheint daher dringend geboten, und das Manifest stellt als Minimalforderung klar: Eine solche neue Philosophie und Kunst des Zusammenlebens muss den Primat des Ökonomischen brechen und sich auf eine gemeinsame Menschheit und auf den Wert der Individualität zugleich berufen.
Als Hilfeschrei begreift Tim Caspar Boehme dieses Manifest. AutorInnen, wie Eva Illouz, Edgar Mourin und Yann Moulier-Boutang rufen darin zu einem neuen Zusammenleben auf, basierend auf der Annahme, dass Rivalität und Gewalt den Menschen nicht voranbringt, sehr wohl aber Initiativen, wie fairer Handel, Occupy Wall Street oder Care-Ethics. Für Boehme ist klar, dass die Autoren es Ernst meinen und aufs Ganze zielen. Wenn die Analysen und Forderungen im Band allgemein bleiben, erklärt sich der Rezensent das mit der Natur des Ganzen, das für ihn ein noch unausgearbeitetes Konsenspapier darstellt, ein streitbares Manifest eben, kein fertiges Regierungsprogramm. Als solches aber scheint es Boehme durchaus zukunftsträchtig zu sein.
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