Ernö Szep

Zerbrochene Welt

Drei Wochen 1944
Cover: Zerbrochene Welt
dtv, München 2014
ISBN 9783423260268
Kartoniert, 240 Seiten, 14,90 EUR

Klappentext

Aus dem Ungarischen von Ernö Zeltner. Wahrscheinlich ertrage ich all das, was ich täglich sehen, hören und leiden muss, nur deshalb, weil ich gar nicht richtig glauben kann, was hier vor sich geht. Ich glaube es nicht, weil Menschen solche Dinge doch eigentlich nicht fertigbringen."Am Morgen des 20. Oktober 1944 muss der sechzigjährige Erno Szép den Marsch in ein Arbeitslager nahe Budapest antreten. Seine Beobachtungen und Erlebnisse in den folgenden 19 Tagen hält er in dem vordergründig leichten, eleganten und damit umso verstörenderen Ton des Feuilletonisten fest. Ungläubigkeit spricht aus seinen Zeilen, mit ironischer Distanz versucht er den alltäglichen Demütigungen zu begegnen, um seine menschliche Würde zu bewahren. Mit einem Nachwort von Prof. Paul Lendvai und Anmerkungen von Ernö Zeltner.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.12.2014

Endlich sind Ernö Széps unter dem Titel "Zerbrochene Welt" erschienene Erinnerungen an seine dreiwöchige Zwangsarbeit im faschistischen Ungarn erstmals auch auf Deutsch zu lesen, berichtet Rezensentin Judith Leister. Bewegt liest die Kritikerin, wie der ungarische Feuilletonist seine Erfahrungen von täglichen Schikanen, aber auch die Hoffnungen innerhalb der Gruppe schildert: Leister erfährt etwa, wie manche Gefangene auch in den Budapester "Sternenhäusern" noch an religiösen Ritualen festhielten oder wie sie sich alttestamentliche Strafen für Hitler ausdachten. Ein großartiges, einfühlsam erzähltes Buch, urteilt die Kritikerin, die insbesondere Széps "sanfte Ironie" bewundert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.11.2014

Die hier rezensierende Schriftstellerin Terezia Mora liest die Aufzeichnungen des ungarischen Schriftstellers Erno Szep mit gemischten Gefühlen. Einerseits bewundert sie die elegante Leichtigkeit, mit der Szep berichtet, wie er als Jude die Schoa überlebte, andererseits irritiert sie so manche Äußerung des Autors, etwa, wenn er selbst im Lager Standesdünkel erkennen lässt und um sein kultiviertes Bürgertum fürchtet. Szeps Ausblendung ungarischer Kollaboration und Zwangsarbeit und das Übertragen allen Übels auf die Deutschen, hält Mora gleichfalls für fragwürdig. Besonders gegen Ende der Lektüre gerät Mora in Rage, wenn Szep seine Aufzeichnungen mit seiner Entlassung November '44 enden lässt. Die Geschichte ist hier noch nicht zu Ende, beharrt die Rezensentin, und illustriert das mit dem tragischen Schicksal anderer, ihr bekannter ungarischer Juden.
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