Im Kalten Krieg existierten in Westeuropa zahlreiche Untergrundorganisationen, die im Fall eines sowjetischen Überfalls hinter der Front als Partisanen Sabotageaktionen ausführen sollten. Dazu wurden Kämpfer geschult und geheime Erddepots mit Waffen, Sprengstoff und Funkgeräten angelegt. In der Bundesrepublik unterstand diese Stay-Behind-Truppe dem Auslandsnachrichtendienst BND, der eigentlich im Inland gar nicht aktiv werden sollte. Das alles geschah hinter dem Rücken der dafür zuständigen parlamentarischen Kontrollgremien, denn auch ein möglicher Putsch gegen gewählte Politiker wurde erwogen. Erst Anfang der 1990er Jahre flogen die illegalen Netzwerke auf. Es dauerte mehr als 20 Jahre, bis der BND Akten über seine Geheimarmee freigab und Interviews mit ehemaligen SBO-Mitarbeitern zuließ. Anhand dieser Materialien und umfangreicher CIA-Akten geben die Autoren nun Einblick in die Aktivitäten, Personalstrukturen und Operationsszenarien der dubiosen Geheimorganisationen und fragen nach dem Funktionieren demokratischer Kontrollmechanismen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.05.2016
Harald Biermann liest mit Spannung die von Erich Schmidt-Eenboom und Ulrich Stoll verfasste Studie über den Schattenkrieg der Überrollagenten auf westdeutschem Boden seit Ende der 40er Jahre. Dass Vorsicht geboten ist, um nicht ins Spekulieren zu verfallen, wissen die Autoren laut Biermann zum Glück und gehen umsichtig vor, wenn sie die Entwicklung der Taktik der Schläferagenten verfolgen. Biermann erfährt, dass die meisten dieser in Partisanenschulen ausgebildeten Agenten aus der SS stammten, wie der Bundestag mit den harten Fakten umging und dass die BRD unter diesen Umständen alles andere als ein souveräner Staat war. Die mit der Schattenarmee verbundenen Gefahren für die Demokratie benennen die Autoren zwar klar und lebendig, meint der Rezensent, allerdings geben sie Verschwörungstheorien glücklicherweise eher keine Nahrung.
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