Matthias Uhl

GRU

Die unbekannte Geschichte des sowjetisch-russischen Militärgeheimdienstes von 1918 bis heute
Cover: GRU
WBG Theiss, Darmstadt 2024
ISBN 9783534610129
Gebunden, 752 Seiten, 39,00 EUR

Klappentext

Die GRU, der russische Militärgeheimdienst ist einer der effektivsten und geheimsten Nachrichtendienste weltweit. Bis heute gibt es im Westen kaum gesicherte Informationen über die GRU, vor allem, weil bis in die Gegenwart kaum ein Dokument aus den Archiven der GRU zugänglich ist. Das Buch stellt erstmals für einen breiten Leserkreis die Geschichte der GRU von ihrer Gründung 1918 bis heute dar. Matthias Uhl kann dabei auf Dokumente aus dem legendären Archiv des Militärgeheimdienstes zurückgreifen. Zudem lüftet er die Identität des GRU-Agenten "Murat", der Moskau in den 1950er und 1960er Jahren Hunderte streng geheime Unterlagen aus dem NATO-Hauptquartier geliefert hat. Und er beleuchtet Operationen und Spionageaktionen während des Kalten Krieges und des heutigen Russland - bis hin zu Mordanschlägen in Westeuropa sowie zum Einsatz der GRU bei der Besetzung der Krim und im Ukraine-Krieg.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.01.2025

Eine kenntnis- und quellenreiche Studie zum russischen Militärgeheimdienst GRU legt Matthias Uhl laut Rezensentin Othmara Glas vor. Der Dienst existiert in Form von Vorläuferorganisationen zwar bereits seit Beginn des 19. Jahrhunderts, der Historiker Uhl konzentriert sich jedoch, erfahren wir, auf die Zeit seit 1918 und zeichnet nach, wie dieser der Roten Armee - und damit nicht dem Staat, sondern der Partei - unterstellte Dienst in den 1920ern wuchs und im In- und Ausland zahlreiche Agenten anwarb. Stalin allerdings, so Glas, traute dem GRU nicht und zerschlug ihn zunächst weitgehend, er wurde wieder aufgebaut und immer größer, lieferte aber keineswegs immer verlässliche Ergebnisse, auch seine Bilanz im Ukraine-Krieg ist bislang wohl aus russischer Sicht eher durchwachsen. Erstaunlich, wie Uhl trotz der Geheimhaltung, der der GRU untersteht, an umfangreiches Quellenmaterial gekommen ist, findet Glas, die außerdem die Lesbarkeit dieses Buches lobt, das teilweise fast an einen Thriller erinnert. Insgesamt ist das Buch für die Rezensentin eine rundum gelungene und außerdem hochaktuelle Veröffentlichung.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.11.2024

Kaum jemand hat Einblick in die Vorgänge des GRU, des militärischen Geheimdienstes Russlands. Und doch ist es Autor Matthias Uhl gelungen, aus "indirekten Aktenüberlieferungen" genügend Informationen zusammenzutragen, um das Versagen des GRU bei der Aufklärung über die militärischen Fähigkeiten der Ukraine, zu beleuchten, lobt Rezensent Stephan Lehnstaedt. Neu ist das nicht, Geheimdienste müssen sich selbst oft auf dubiose Quellen berufen oder werden schlicht ignoriert, wie Stalin zeigte, der die Warnungen der "Roten Kapelle" vor einem bevorstehenden Angriff Nazideutschlands nicht hören wollte, lernt Lehnstaedt aus Uhls quellengesättigter Studie, die das ganze 20. Jahrhundert bis heute im Blick hat und einige mysteriöse Spionagefälle aufdecken kann, die bisher nicht mal von der Nato freigegeben wurden. Alles ganz seriös, versichert der beeindruckte Rezensent, der von Agenten liest, Wirtschaftsspionage und Rivalitäten unter den russischen Geheimdiensten. Das ist "nüchtern-wissenschaftliche Aufklärung im allerbesten Sinne" und auch noch sehr lesbar, lobt der Kritiker.