Armin Wagner

Das ABC der Apokalypse

NATO-Offiziere erzählen den Dritten Weltkrieg
Cover: Das ABC der Apokalypse
Campus Verlag, Frankfurt am Main 2025
ISBN 9783593521305
Gebunden, 455 Seiten, 49,00 EUR

Klappentext

Während des Kalten Krieges drohte ein vernichtender Atomkrieg zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt. Auch der Einsatz von biologischen und chemischen Waffen stand stets im Raum. Über das Mittel fiktiver Erzählungen richteten daher seit Ende der 1970er Jahre hochrangige Offiziere des westlichen Bündnisses sicherheitspolitische Forderungen an ihre Regierungen. An der Schnittstelle von Politik-, Militär-, Technik- und Ideengeschichte analysiert Armin Wagner, wie die Soldaten ihre Überlegungen in eine breitere Öffentlichkeit trugen: vom vermeintlichen Gebot der Stunde nach massiver konventioneller Aufrüstung über die Diskussion nuklearer Gefechtsfeldwaffen im Kleinformat bis hin zu Vorstellungen über technologisch innovative Waffensysteme. Diese Fiktionen über einen Dritten Weltkrieg aus dem letzten Jahrzehnt des Kalten Krieges verknüpft das Buch mit Erzählungen, die höhere NATO-Offiziere seit Mitte der 2010er Jahre angesichts der aggressiven Expansionspolitik Russlands und des weltpolitischen Aufstiegs Chinas geschrieben haben, und verbindet damit historische mit aktuellen Perspektiven.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.01.2026

Rezensent Gregor Grosse hält den Atem an beim Lesen von Armin Wagners Sammlung fiktiver Visionen über den Dritten Weltkrieg aus der Zeit des Kalten Krieges bis heute. Verfasst von NATO-Offizieren bieten die Texte laut Grosse vor dem Hintergrund der heutigen Weltlage nicht ganz unrealistische Szenarien, von der Einnahme des Baltikums durch ein verbündetes China-Russland bis zur erfolgreichen Verteidigung der Ostflanke durch die NATO und den Einsatz von Nuklearwaffen. Auch wenn die Texte von Wagner nicht technisch eingeordnet werden und die Darstellungen nicht immer realistisch erscheinen, lassen sich laut Grosse Parallelen ziehen zum Ukrainekrieg und den möglichen Folgen.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 14.10.2025

Unter anderem die "herausragende Rechercheleistung" lobt Rezensent Jens Ulrich Eckhard an Armin Wagners Literaturgeschichte der atomaren Bedrohung seit 1945. Wagner blickt hier auf eine ganz spezielles Genre, nämlich Bücher ehemaliger Militärs, die, besonders in heißen Phase des Kalten Krieges, Romane "zwischen Nato und dem Warschauer Pakt" verfassten, die das Szenario eines Dritten Weltkriegs behandelten. Die meisten von ihnen drehen sich handlungstechnisch um das Abwenden einer atomaren Bedrohung, erklärt der Kritiker, als Schlüsselwerk macht der Historiker Wagner das Buch "Der Dritte Weltkrieg" des ehemaligen britischen Viersternegenerals Sir John Winthrop Hackett aus. In dem damaligen Bestseller kämpfen in Europa die Sowjets gegen die Amerikaner, lesen wir. Der Clou des Buches ist die wichtige Rolle der Nato, ohne die Russland ungehindert in europäisches Gebiet vordringen könnte. Die Texte sind nicht immer literarisch hochwertig, betont der Autor, oft gibt es "agitatorische Elemente" und "raunenden Pathos", der Kritiker findet aber auch "bissige" und "erstaunlich aktuelle" Kritik am Zeitgeist. Ein neueres Beispiel für diese Art der Kriegsliteratur liefert der frühere Nato-Oberbefehlshaber in Europa, Richard Shirreff, mit seinem 2016 erschienen Roman "2017 - War with Russia", in dem die Nato einen von den Russen begonnenen Krieg letzendlich gewinnen kann. Der Kritiker schätzt an diesem Band den klugen und kritischen Blick des Autors auf die erwähnten Texte, sinnvolle Ergänzungen und Überlegungen und einen hilfreichen, nicht ausufernden Fußnoten-Apparat. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.10.2025

Ein angesichts des Ukrainekriegs und der zunehmenden Kriegsangst in Europa ungemein aktuelles Buch hat Armin Wagner laut Rezensent Thomas Speckmann geschrieben. Dabei beschäftigt sich Wagner, erfahren wir, mit fiktiven Szenarien, die NATO-Offiziere in der Vergangenheit entwickelt hatten, um die deutsche Öffentlichkeit vor gefährlichen Entwicklungen zu warnen. Speckmann geht auf drei Beispiele Wagners näher ein: Zunächst auf Robert Close, der 1976 argumentiert habe, dass die NATO zu schwach sei, um einer sowjetischen Aggression in Europa zu trotzen; dann auf Johannes Steinhoff, der ebenfalls dargestellt habe, wie eine strikt machtpolitisch handelnde UdSSR die Schwäche der NATO zu ihrem Zweck ausnutzen könnte; schließlich auf Sir John Hackett, der gar einen Dritten Weltkrieg beschworen habe, der zwar vom Westen gewonnen werden könne, aber nur dank konsequenter Aufrüstung. Viele Details der aktuellen Debatten um Aufrüstung erkennt Speckmann in diesen von Wagner aufgearbeiteten ausgedachten Szenarien wieder. Insgesamt scheint der Rezensent das Buch mit viel Gewinn gelesen zu haben.

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