Herausgegeben von Dietmar Herz. Aus dem Englischen von Veronika Weinberger.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 27.09.2003
Bei Platon habe sich, so der Theologe Friedrich Niewöhner in einem umfassenden Porträt von dessen vielbändigem Hauptwerk "Ordnung und Geschichte", der politische Denker Voegelin zu Hause gefühlt. Der Erkenntnistheoretiker Platon spielt dabei keine Rolle, untersucht werden nur die politischen Dialoge von der "Politeia" bis zu den "Nomoi". Aufgesucht wird die "politische Idee" Platons, die Voegelin in den Dialogen wie in den ihnen präsentierten Mythen symbolisiert sieht. Vor Aktualisierungen scheut, so Niewöhner, der in den politischen Streit seiner Gegenwart sich einmischende Politologe dabei nicht zurück, wenn er beim Klassiker die Verheerungen der eigenen Zeit - vom "Skeptizismus der jüngeren Generation" bis zur "Überspanntheit hysterischer Frauen" - wiederfindet. Geradezu "begeistert" begrüße Voegelin die Einsicht Platons, dass Freiheit keineswegs zu einem geordneten Gesellschaftszustand führen müsse. In der Nähe zum Unsagbaren bewegt sich Voegelin, wie Niewöhner feststellt, auf den Spuren christlicher Mystik. Die tiefe Überzeugung, dass der Glaube die Grundlage des Denkens sein müsse, dass Erkenntnis ontologisch zu verankern ist, finde auch und gerade in der Platon-Lektüre ihren Ausdruck.
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