Alain Badiou, Platon

Platons 'Staat'

Cover: Platons 'Staat'
Diaphanes Verlag, Zürich 2013
ISBN 9783037343180
Broschiert, 400 Seiten, 34,95 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Heinz Jatho. Nach sechsjähriger Arbeit legt Badiou seine Neuübersetzung von Platons "Politeia" vor, in der sich philosophisches und literarisches Talent kongenial verbinden. In Badious "Staat" sind Sprache und Denken der Akteure radikal modern und enthüllen so nicht nur eine neue Sicht auf ein jahrtausendealtes Werk, sondern schärfen den Blick auch für die brennenden Fragen unserer Gegenwart. Badiou wechselt zwischen wortgetreuer Übersetzung und freier Improvisation, unterteilt den Text in sechzehn statt in zehn Kapitel, modernisiert seine Bilder, erweitert seinen historischen Rahmen und durchsetzt ihn mit einem philosophischen Vokabular, das das unsere ist: Die Idee des Guten wird zur Idee des Wahren, die Seele zum Subjekt, Gott zum großen Anderen und Adeimantos zu Amantha, der ersten Frau in Platons Männerrunde. Wer hier Verrat am Original schreit, hat zweifellos recht und übersieht doch, worum es Badiou hier wie überhaupt in seiner Philosophie eigentlich geht: Um eine Treue zu einem philosophischen Ereignis, das nicht ohne Folgen für unsere politische Aktualität bleiben darf, denn "letztlich ist es das, was die Ewigkeit eines Texts ausmacht".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.08.2013

Vernichtend liest sich, was Rezensent Christoph Horn - seines Zeichens Professor für antike Philosophie an der Uni Bonn - hier über Alain Badious Aktualisierung von Platons "Politeia" schreibt. Außer einem Lob für die deutsche Übersetzung begegnet er Badious Vorhaben mit tiefstem Unverständnis, und er macht auch klar, warum. Wieso, fragt er zum Beispiel, räumt Badiou aus Platos Dialogen all das weg, was uns heute fremd vorkommt, was wir eigentlich auch für die heutige Philosophie gar nicht "gebrauchen" können, jedenfalls nicht direkt, und bequemt sich aber andererseits, wenn auch oberflächlich (das Wort fällt!) dem platonischen Duktus an? Dabei sind die Dialoge bei Badiou dann auch wieder ganz anders aufgefasst: nicht langsam und systematisch und mit einbezogenen und selbstdenkenden Gesprächspartnern wie bei Plato, sondern selbstherrlich schwadronierend mit ergebenen Stichwortgebern. Horn zieht aus der Lektüre nicht nur keinen Erkenntnisgewinn - sie scheint ihm sogar unsympathisch zu sein.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.07.2013

Arbogast Schmitt bespricht Alain Badious Buch "Platons 'Staat'" in ungeschöntem philosophischen Jargon. Badiou versucht, Platons Philosophie systematisch ernst zu nehmen und für die gegenwärtige Auseinandersetzung zwischen Neomarxismus und Postmoderne fruchtbar zu machen, erklärt der Rezensent. Um das zu erreichen, interpretiert Badiou Platon allerdings ziemlich tendenziös und zieht beinahe ausschließlich Stellen der Politeia heran, die mithilfe dieser Interpretation leicht in sein eigenes Gedankensystem eingefügt werden können. Soll aber die Berufung auf Platon nicht "bloße Inanspruchnahme eines großen Namens" sein, erklärt Schmitt, Badiou hätte sich auch mit dem "bei Platon Fremden" auseinandersetzen müssen. Trotz des Vorwurfs der vorsätzlichen Unschärfe scheint das Buch dem Rezensenten dennoch gefallen zu haben - die Gründe für seine Sympathie verbergen sich womöglich irgendwo in dem Wust philosophischer Termini.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 12.06.2013

Alain Badiou ist der "gefährlichste", aber auch der "derzeit am meisten angehimmelte Philosoph" Mitteleuropas, steht für Dirk Pilz fest, was der Rezensent mit Badious kommunistischem Sendungbewusstsein und seiner Neigung zur simplifizierenden Zuspitzung begründet. Mit der französischen Neuübersetzung von Platons "Staat" liegt jetzt das Hauptwerk Badious in wiederum deutscher Übersetzung vor, ein, wie Pilz findet, "irres Buch, das die historische Distanz von gut 2300 Jahren einebnet". Der bedeutendste Anknüpfungspunkt aus Platons Werk ist das Verständnis von Philosophie als Erwachen, das der agitatorische Badiou unbedingt teilt, meint der Rezensent. Platons "Staat" werde so bei Badious zur "Bibel für eingreifwillige Umsturzdenker".
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