Eric R. Kandel

Auf der Suche nach dem Gedächtnis

Die Entstehung einer neuen Wissenschaft des menschlichen Denkens
Cover: Auf der Suche nach dem Gedächtnis
Siedler Verlag, München 2006
ISBN 9783886808427
Gebunden, 528 Seiten, 24,95 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Hainer Kober. Eric Kandel, einer der bedeutendsten Neurowissenschaftler unserer Zeit, beschreibt, indem er aus seinem Leben und von seinen Forschungen erzählt, wie sich die moderne, neurobiologisch fundierte Wissenschaft des menschlichen Geistes entwickelt hat. Wir erfahren, wie Kandel 1939 als Kind in die USA emigrierte, wie ihn später seine persönliche Beschäftigung mit der Vergangenheit, mit Erinnern und Vergessen, dazu brachte, sich zuerst der Geschichte, dann der Psychoanalyse und schließlich der neurobiologischen Forschung zuzuwenden.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.07.2006

Einen "faszinierenden Einblick in eine bewundernswürdige Lebensleistung" findet Michael Hagner in dieser Autobiografie des berühmten Neurowissenschaftlers Eric Kandel. Eingehend berichtet der Rezensent über den Werdegang des Nobelpreisträgers, seine anfängliche Nähe zur Psychoanalyse, die erstaunliche wissenschaftliche Laufbahn als Neurowissenschaftler und die vorsichtige Wiederannäherung an Freud. Hagner würdigt das Buch nicht nur als anregende Autobiografie, sondern auch als instruktives Porträt der Hirnforschung in den letzten 70 Jahren. Eine peinlich genaue Wissenschaftsgeschichte sollte man allerdings nicht erwarten. Die mit eigenen Erinnerungen durchsetzte Darstellung hat für Hagner zwar den Vorteil, "zupackend, leidenschaftlich, mit Insiderinformationen" sowie "sorgfältig im Detail" zu sein. Nachteil dieses subjektiven Zugangs ist für Hagner die "einseitige" Perspektive und die "anekdotischen" Züge der Darstellung. Zudem kann er Kandels Glauben an eine stetig und ununterbrochen fortschreitende Wissenschaft nicht teilen. Skeptisch äußert sich Hagner auch über Kandels großes Projekt der rein biologischen Verankerung des menschlichen Geistes.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 29.06.2006

Harald Welzer begrüßt Eric Kandels Autobiografie, "Auf der Suche nach dem Gedächtnis", in dem der Wissenschaftler sein Interesse für das Gedächtnis erklärt. Für den Rezensenten ist das Erscheinen dieses Buches auch Anlass, ausführlich auf Kandels "eindrucksvolle" Entdeckungen in diesem Bereich zu verweisen. Der Nobelpreisträger für Medizin und Physiologie hat bewiesen, inwieweit das Gedächtnis und die "Umwelterfahrung" sowohl bei Tieren als auch bei Menschen verbunden sind, und dies durch ein reduktionistisches Forschungsprogramm, erklärt Welser. Der Rezensent lobt außerdem Kandels Geschick, seine wissenschaftlichen Forschungen "empirisch zugänglich" zu machen. Insofern möchte der Rezensent dieses Buch "all jenen zu empfehlen, die wissen wollen, wie man Wissen erzeugt". Einzig kritisieren will der Rezensent die Hybridität der Texte, da sie eine Mischung zwischen "Lebensgeschichte, Theorie und Forschungsergebnissen" sind. Das könnte auch der Lektüre des Buches schaden, so Welzer.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.06.2006

Überaus anerkennend äußert sich Helmut Mayer über diesen Lebensrückblick des berühmten Gedächtnisforschers Eric Kandel. Er sieht darin mehr als nur eine gelungene Autobiografie des Nobelpreisträgers. Darüber hinaus betrachtet er das Werk als "vorzügliche" Darstellung der Entwicklung der Neurowissenschaft am Leitfaden der Gedächtnisforschung. Ausführlich zeichnet Mayer den Weg dieser Wissenschaft nach, wobei er Kandels Bemühungen um eine Vermittlung zwischen Psychoanalyse und Neurowissenschaften akzentuiert. Zudem unterstreicht er Kandels Vorschlag einer Arbeitsgemeinschaft mit der kognitiven Neurowissenschaft, um die psychoanalytischen Begriffe auf eine solide biologische Grundlage zu stellen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 20.05.2006

Rezensent Robert Misik lobt Eric Kandels Autobiografie für ihre spezielle Mischung aus hochkomplexer, spannend geschriebener Wissenschaftsgeschichte, persönlichen Erinnerungen und lockerer Erzählweise. Mit sichtlichem Vergnügen darüber, Kandels Epoche machenden Erkenntnisse aus einem fünfzigjährigen Wissenschaftlerleben in ihren Grundzügen erfasst zu haben, bereitet Misik thematische und lebensgeschichtliche Etappen des Nobelpreisträgers des Jahres 2000 auf. Punkten kann Kandel beim Rezesenten auch, weil seine Betrachtungen insgesamt einhundert Jahre Hirnforschung nachvollziehbar machen. Zwar sprengt Kandel nach Einschätzung des Rezensenten mit seinen Berichten über die "Maschine Hirn" und die Kommunikation zwischen den Zellen die Hirnkapazität interessierter Laien immer wieder, entschädigt jedoch insgesamt durch hochinteressante Einblicke in eine Kernwissenschaft unserer Zeit, die Misiks Einschätzung zufolge an die Substanz des menschlichen Selbstverständnisses als autonomes Subjekt greifen.

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