Die Ideologie grenzenlosen Wachstums durch deregulierte Märkte ist gescheitert. Schon vor 40 Jahren war erkennbar: Die Grenzen des Wachstums sind erreicht, nachhaltige Wirtschaftsformen schonen unsere Lebensgrundlagen, Ungleichheit und ein schwacher Staat fördern Armut, Krankheit und Kriminalität. Aber erst heute sind wir bereit, über die Konsequenzen nachzudenken. Erhard Eppler legt dar, warum diese Einsichten lange Zeit überspielt, geleugnet und verdrängt wurden. Er unterscheidet zwischen "Leistung" und "Erfolg". Er will eine solidarische Leistungsgesellschaft, in der das Leitbild nicht der mit den kräftigsten Ellbogen ist, sondern der Mensch mit Verantwortungsgefühl und mit dem feinsten Gespür für die Bedürfnisse anderer. Auch in der Europäischen Union und in unserem Verhältnis zu Afrika sollten Leistung und Solidarität wieder verbunden werden.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.11.2011
Konkurrenzgesellschaft - ein böses Reizwort für den Autor, der schon über 80 und doch kein bisschen leise ist, wie es scheint, wenn Ralf Husemann uns das neue Buch des SPD-Mannes Erhard Eppler vorstellt. Eppler kommt sofort zur Sache, freut sich Husemann, lässt seine Gegner, die Wachstumsfetischisten, gleich links (beziehungsweise rechts) liegen und bleibt sich treu, ohne bloß die alten Argumente aufzuwärmen. Das bisschen Eitelkeit desjenigen, der schon immer wusste, dass es keine Alternative zur ökologischen Wende gibt, verzeiht der Rezensent dem Autor und hört gespannt, was Eppler zu Stuttgart 21, Tea Party oder der Schere zwischen Arm und Reich aufschreibt. Dabei stellt er erfreut fest: Nicht nur um die Bändigung der Finanzjongleure geht es ihm, sondern um unsere Zukunft als Gesellschaft. Dass alles zu deren Segen Notwendige bereits in der Verfassung steht beziehungsweise in uns schlummert (Solidarität, Rücksicht usw.), gehört für Husemann zu den überraschenden Erkenntnissen des Bandes.
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