Dirk Kurbjuweit

Unser effizientes Leben

Die Diktatur der Ökonomie und ihre Folgen
Cover: Unser effizientes Leben
Rowohlt Verlag, 349803510X 2003
ISBN 9783498035105
Gebunden, 187 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Das Effizienzprinzip hat einen Namen: McKinsey. Die weltweit operierenden Unternehmensberater sind die Speerspitze eines umfassenden Wirtschaftlichkeitsdenkens, das längst alle unsere Lebensbereiche durchdringt: Politik und Wirtschaft, Religion und Kultur, Medizin und Gentechnik. Wie sieht sie aus, die "McKinsey-Gesellschaft"? Was ist ihr Menschenbild? Wer sind ihre Propheten und was treibt sie an?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.10.2003

Ziemlich beeindruckt ist der Rezensent Balthasar Haussmann von der Sammlung von Beispielen, die der Spiegel-Reporter Dirk Kurbjuweit zusammengetragen hat, um seine These von der Durch-Ökonomisierung unseres Leben zu belegen und zu zeigen "wie ökonomisches Denken bis ins Vokabular hinein auch ökonomieferne Bereiche, ja unsere gesamte Lebenswelt durchtränkt und verändert". Der Begriff der Entfremdung wird zwar nicht ausgesprochen, zieht sich aber nach Meinung des Rezensenten wie "ein roter Faden" durch das Buch. Konkrete Abhilfe weiß Kurbjuweit aber auch nicht, sein Verweis auf möglichen Widerstand, der seiner Meinung nach beim Individuum beginnen muss, ist im Konjunktiv gehalten - was dem Rezensenten offenbar ein bisschen missfällt und dazu führt, dass das Buch doch letztendlich nicht mehr ist "als ein Rat zur persönlichen Lebensführung".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 10.07.2003

In sehr plastischen Szenen beschreibe der Spiegel-Redakteur Dirk Kurbjuweit die Durchdringung aller Lebensbereiche durch den Kapitalismus, findet Wolfgang Uchatius. Als Metapher für die Ökonomisierung der Gesellschaft nutze Kurbjuweit die Unternehmungsberatung "McKinsey", bei der alles auf die Frage "Rentiert sich das?" reduziert werde. Sein Buch entsprechend "Die McKinsey-Gesellschaft" zu nennen, habe ihm "McKinsey" verboten, erzählt unser Rezensent. Die Schwäche des Buches sei es allerdings, kein Alternativ-Konzept zum deregulierten Kapitalismus anzubieten, bemängelt Uchatius, der vor allem Antworten auf die Frage vermisst: "Wo genau soll der Markt aufhören und der Staat anfangen?"

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.04.2003

Dirk Kurbjuweit ist zwar ein "Großmeister der Anschauung", aber trotzdem - zumindest in diesem Fall - blind, findet Ijoma Mangold. Kapitalismuskritik treffe ja seit dem Zusammenbruch des Neuen Marktes auf weniger Widerstände, nur garantiere das noch nicht die Richtigkeit der Erkenntnisse. Und Kurbjuweit habe nicht einmal welche. Wie in seinen zurecht hochgelobten Reportagen gelinge es ihm zwar auch hier, Symptome mit großer Präzision vorzuführen und den Leser durch einen traurigen "kapitalistischen Menschenpark" zu geleiten, aber seine Fingerzeige, so Mangold, führen zu keinen Schlussfolgerungen. Und das, so das Fazit des Rezensenten, "macht dies Buch zu einem langweiligen, weil es lediglich eine ungefähre böse Ahnung, die man schon immer hatte, mit dick aufgetragener Empirie bestätigt". Außerdem höre Kurbjuweit sich an wie Johannes Rau.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.03.2003

Dieses Buch, lobt Andreas Platthaus, "untersucht mit kühlem Blick die wachsende Durchdringung unserer Gesellschaft mit ökonomischen Leitbildern". Der Spiegel-Reporter Kurbjuweit hole darüber hinaus "vieles nach", was Viviane Forrester in ihren Büchern zum selben Thema versäumt habe. Besonders gelungen findet Platthaus Kurbjuweits Beschreibung der "individuellen Psychologie des Börsenbooms der späten neunziger Jahre". Hier wurden plötzlich alle "McKinsey-Menschen", wie der Rezensent aus dem Buch zitiert: "Wir erlebten, dass unsere Bedenken dahinschwinden, sobald die Aussichten auf Profit hoch genug sind. Man merke dem Buch freilich an, schreibt Platthaus, "den Spaß seines Autors an flotter Formulierung an", und manchmal gehe auch "die Lust an der originellen These mit Kurbjuweit durch". Aber das Buch sei ja nun einmal auch eine "Streitschrift" und im Ergebnis trage auch noch dazu bei, dass sein Buch gut lesbar sei "und - man traut es sich kaum zu sagen - effizient".