Elisabeth Badinter

Der Infant von Parma

oder: Die Ohnmacht der Erziehung
Cover: Der Infant von Parma
C. H. Beck Verlag, München 2010
ISBN 9783406600937
Gebunden, 144 Seiten, 17,95 EUR

Klappentext

Mitte des 18. Jahrhunderts. Der junge Prinz Ferdinand von Parma, Enkel des französischen Königs, wird zum Gegenstand eines einzigartigen pädagogischen Experiments. Seine Eltern wollen einen modernen, aufgeklärten Monarchen aus ihm machen und holen dafür die besten Lehrer aus Frankreich. Das Experiment soll den Glauben der Zeit an die Macht der Erziehung bestätigen. Halb Europa schaut gespannt nach Parma. Doch die Hoffnungen der Zeit, die das Kind auf seinen schwachen Schultern trägt, werden bitter enttäuscht. Denn schon früh entwickelt sich der Zögling der Aufklärung zu einem Sohn der Finsternis. Hatte der Vater Ferdinands noch die Jesuiten aus seinem Herzogtum vertrieben und die Kirchengüter konfisziert, so neigt Ferdinand bereits als Kind zu Frömmelei und Aberglauben. Als Herrscher von Parma führt er die Inquisition wieder ein, stärkt die Macht der Kirche und holt die Jesuiten zurück ins Land. Elisabeth Badinter, die große Erforscherin der europäischen Aufklärung, erzählt die Geschichte die Geschichte einer ehrgeizigen Erziehung, die das Herz ihres Zöglings nicht zu erreichen vermag.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.08.2010

Ludger Lütkehaus hat mit großer Spannung Elisabeth Badinters Buch über die Erziehung des Infanten von Parma gelesen und sieht hier die "Dialektik der Aufklärung" in ihrer finstersten Form am Werk. Die französische Historikerin und Philosophin beschreibe sehr informativ und fesselnd, welche Erziehung dem jungen Thronfolger in der Mitte des 18. Jahrhundert zuteil wurde und zeichnet, ohne eine Spur von "Häme", wie der Rezensent eingenommen feststellt, das "Debakel der aufgeklärten Pädagogik" nach, das sich an ihm vollzog. Allerdings gehe es Badinter nicht um das Scheitern von Erziehung allgemein, sondern speziell um die, allerdings nur scheinbar aufgeklärte Erziehung Ferdinands von Parma, der unter der überfordernden Pädagogik zum "bigotten Frömmler" wurde, wie die Autorin eindrucksvoll zeigt. Dass andere Erziehungskonzepte der Zeit, allen voran Rousseaus Vorstellungen mit keiner Zeile erwähnt werden, erstaunt Lütkehaus, der ansonsten aber von diesem Buch sehr beeindruckt scheint.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.04.2010

Das Buch würde Jutta Person der Autorin gern selbst zur aufmerksamen Lektüre geben. So schlank, geist- und kenntnisreich die feministische Philosophin Elisabeth Badinter der Rezensentin den historischen Fall einer an ihren hohen Ambitionen gescheiterten Erziehung im Sinne der Aufklärung vermittelt und dabei Grundsätzliches zutage fördert, so blind scheint ihr die Autorin mitunter im Hinblick auf den eigenen "Systemzwang" zu sein. Laut Person gilt das allerdings für Badinters Polemik gegen eigentlich emanzipierte Frauen, nicht für die hier schon mal mit Empörung erzählte Geschichte eines Super-Lehrplans, eines überforderten Infanten und eines politischen Kräftespiels. Spannung gewinnt der Text für Person aber dennoch aus dem Umstand, dass die Autorin sich selbst durchaus als Erzieherin zum Guten sieht.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.04.2010

Für Lena Bopp erzählt das Buch der französischen Soziologin und Philosophin Elisabeth Badinter nicht nur von Ferdinand von Parma, sondern vor allem auch von der Erziehung und ihren Grenzen. Die Autorin hat ihre Arbeit ganz offenbar vorzüglich erledigt und der Rezensentin das Scheitern eines Erziehungsprojektes im Sinne der Aufklärung anhand von Briefen, Berichten und Aufsätzen spannend zu vermitteln vermocht. Den Infanten nicht nur als religiösen Frömmler darzustellen, sondern auch seine aufgeklärte Seite nicht zu unterschlagen und also die Schuld am Scheitern des Erziehungsprojekts auch bei Ferdinands verbissen agierenden Zeitgenossen, wie dem Abbe de Condillac zu suchen, hält Bopp für ein Verdienst des Buches.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.04.2010

Beeindruckt hat Susanne Mayer dieses Buch über die Erziehung eines spanischen Infanten im 18. Jahrhundert gelesen, das sie eine "elegante Studie" nennt. Elisabeth Badinter habe hier eine minutiöse, immer wieder der Wahrheit nachspürenden Analyse einer höfischen Erziehung mit dem Klassenziel "aufgeklärter Absolutismus" vorgelegt, in deren Verlauf sie die stolze Garde höfischer Erzieher ebenso decouvriere wie eine gefühl- und empathielose Erziehung an sich, die zu ambitioniert ihr Erziehungsziel verfolgen. Im Fall des spanischen Prinzen sei angestrebt worden, ihn zu einem aufgeklärten Herrscher zu erziehen und wie das geschehen sollte, ergründe Badinter auf faszinierende Art und Weise - und, um am Ende das Scheitern des Projekts zu protokollieren: das aus den Kind Ferdinand ein bigotter Frömmler geworden sei.