Durs Grünbein

Die Jahre im Zoo

Cover: Die Jahre im Zoo
Suhrkamp Verlag, Berlin 2015
ISBN 9783518424919
Gebunden, 400 Seiten, 24,95 EUR

Klappentext

Mit 45 Abbildungen. In einem Buch voller Geschichten, Verse und seltener Fotografien zeigt sich Durs Grünbein von der autobiografischen Seite. Doch greift er weiter zurück, dorthin, wo das 20. Jahrhundert in frühen Konturen sichtbar wird. Von Hellerau, der Gartenstadt am Rande Dresdens, strahlt damals ein Lebensreformprogramm weit über die Grenzen eines Vororts hinaus. Für Grünbein wird sie zum Ausgangspunkt, zu einer Stätte von prägender Kraft für den eigenen Lebensweg. Und so entsteht das Bild seiner Kindheit - am Rand der Geschichte in den langen Sommern des Kalten Krieges. Freundschaften und frühes Leid, schulische Erfahrungen und erste Lektüren, Lieblingsspielzeuge, (Berufs-)Träume, Phantasien und Phantasmen entfalten sich in einem farbenreichen Kaleidoskop aus autobiographischer Prosa, Poemen, Reflexionen und, nicht zuletzt, vielen Funden aus der reichen Bildersammlung des Dichters.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.03.2016

Melancholisch, aber nicht sentimental erzählt Durs Grünbein seine Kindheitserinnerungen, stellt Roman Bucheli fest. Der Kritiker blickt mit dem Autor durch das von Reflexionen und dem Bewusstsein des Erwachsenen gefärbte Kaleidoskop zurück auf seine Kindheitstage in Dresden: Ob der Autor von einem Spaziergang mit seinem Großvater in den Schlachthof erzählt oder beim Anblick des Dresdner Hauptbahnhofs Bilder der Gegenwart mit jenen der Vergangenheit überlagert - die Erzählungen sind immer angesiedelt in dem "doppelten Echoraum" zwischen einst und jetzt, schreibt Bucheli. Dabei gelingen Grünbein herrliche Miniaturen voller Intensität, fährt der Kritiker fort, der dank der im Text verstreuten Fotografien und Postkarten nicht nur die imaginäre Bilderwelt des Autors bewundern kann.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 05.12.2015

Eigentlich ist Durs Grünbein mit Anfang fünfzig noch zu jung, um seine Memoiren zu schreiben, findet Mara Delius. Was er in "Die Jahre im Zoo" betreibt, ist denn auch weniger eine klassische Autobiografie als eine Sammlung verschiedener autobiografischer Textformen und Materialien, stellt die Rezensentin fest. Daraus formt sich dann allmählich sowohl ein Selbstporträt des Dichters als auch ein Porträt seiner komplexen und komplexbeladenen Heimatstadt Dresden, berichtet Delius: "Statt einer Erklärung der Gegenwart schafft er eine poetische Vergegenwärtigung der Zeit, die zu ihr geführt hat". Dabei sind insbesondere die erzählerischen Passagen aus der Perspektive des Kindes für die Rezensentin eine Offenbarung.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.12.2015

Durs Grünbeins neues Buch "Die Jahre im Zoo" ist mehr als nur ein Band autobiografischer Kindheitserinnerungen, versichert Rezensent Andreas Platthaus. Zwar blickt der Autor mit gelegentlicher Nostalgie etwa auf kindliche Indianerspiele zurück, reichert diese aber mit kulturgeschichtlichen Exkursen über die Faszination der Sachsen für amerikanische Ureinwohner an, informiert der Kritiker. Auch die Erinnerungen an den Dresdener Vorort, die Gartenstadt Hellerau, in der Grünbein aufwuchs, enthalten nicht nur an Uwe Tellkamp erinnernde Kindheitsreminiszenzen, sondern auch instruktive Passagen über Franz Kafka oder Paul Adler, den Kafka hier besuchte, fährt der Rezensent fort. Neben Grünbeins distanzierter Erzählhaltung lobt Platthaus auch das Vermögen des Autors, eine versteckte Analyse der Gegenwart Dresdens in seinem lesenswerten Buch unterzubringen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 03.12.2015

Der Wirklichkeitshunger in der Literatur hält an, jedenfalls wenn man die Beliebtheit von Memoiren als Indiz dafür sehen will, konstatiert Irisch Radisch. Der Dichter Durs Grünbeins erzählt in "Die Jahre im Zoo" jetzt aus seiner Dresdner Kindheit in der Hellerauer Gartenkolonie, die für Grünbein so etwas wie eine "ramponierte Oase des besseren Lebens" war, in der man Zuflucht vor dem öden Alltag und Raum zur Imagination fand, fasst die Rezensent zusammen. Der Text ist ihr etwas zu überfrachtet mit der Sprachgewalt des alternden Dichters, um als authentischer Bericht zu wirken, findet Radisch, aber die Wehmut über das verlorene Glück der Kindheit wird wunderbar in Szene gesetzt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.12.2015

Rezensent Lothar Müller schätzt Durs Grünbein nicht nur als Lyriker und Essayisten, sondern auch als Autobiografen. Entsprechend erfreut liest der Kritiker nun das neue Buch "Die Jahre im Zoo", in dem der Autor von seiner Kindheit und Jugend in Dresden erzählt. Wie ein Kaleidoskop erscheint Müller dieser Band, der Gedichte und essayistische Passagen mit Erinnerungsbildern verknüpft: So blickt der Rezensent mit Grünbein zurück in die DDR, sieht die Zerstörungen nach dem Zweiten Weltkrieg, riecht den Fischgeruch im Haus der Großeltern, amüsiert sich über den Indianerkult in der DDR und begleitet den Autor zur Volksarmee Anfang der Achtzigerjahre. Allein wie Grünbein Passagen über Franz Kafka oder den aus Prag stammenden Dichter Paul Adler mit Erinnerungen an die Gartenstadt Hellerau verwebt, hat dem Rezensenten ausgesprochen gut gefallen.
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