Der "Roman eines Schicksallosen" ist das "wohl abgründigste aller großen Werke der Holocaust-Literatur" (NZZ). Lange Zeit hat der Autor es abgelehnt, zu der anstehenden Verfilmung des Romans selbst das Drehbuch zu schreiben - bis er die Aufgabe doch übernahm. Die Arbeit am Drehbuch gab Kertesz nun die Freiheit, sein Material auszudehnen und mit autobiographischen Einzelheiten anzureichern. So erleben wir am Ende der Filmfassung das zerstörte Deutschland zur Stunde Null, geraten zwischen die auf den Straßen herumziehenden "displaced persons" und in die Ruinen Dresdens, bevor der befreite Held der Geschichte endlich nach Budapest zurückkehrt. Kertesz hat in Schritt für Schritt aus der eigenen literarischen Vorlage ein neues Kunstwerk gemacht.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.04.2003
Fritz Göttler bespricht das Drehbuch des ungarischen Nobelpreisträgers Imre Kertesz, das dieser zu seinem eigenen Roman geschrieben hat. Er weiß, dass die "Profis" der Filmbranche gewöhnlich die "Nase rümpfen", wenn ein Außenstehender ein Drehbuch verfasst, schon gar, wenn es sich um die Adaption des eigenen Romans handelt. Der Roman, erinnert sich Göttler, hatte die Leser "verwirrt", weil er die "sunny side of life" im KZ darstellt. Der Autor schöpfe in seinem Filmscript die "Freiheiten" des Mediums Film aus und beuge sich gleichzeitig dem "Bilder-Verbot", das der Filmemacher Claude Lanzmann seit dem Film "Shoah" über den Holocaust verhängt hat. Der Rezensent hat das Drehbuch als eine Art "Handbuch der Erinnerung" gelesen und er lobt seine "Offenheit" und "Präzision". Er ist mit Kertesz einer Meinung, dass sich der Roman zur Verfilmung geradezu aufdrängt und er findet es in Ordnung, dass der Autor das Drehbuch gleich selbst geschrieben hat, zumal er, wie der Rezensent betont, durchaus schon Erfahrung beim Schreiben von Librettos und Lustspielen" gesammelt hat.
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