Wojciech Kuczok

Im Kreis der Gespenster

Erzählungen
Cover: Im Kreis der Gespenster
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2006
ISBN 9783518417539
Gebunden, 142 Seiten, 19,80 EUR

Klappentext

Aus dem Polnischen von Friedrich Griese. Wojciech Kuczoks Gespür für die feinsten Risse, in denen sich der Fassadensturz eines ganzen Lebens ankündigt, scheint prädestiniert zu sein für die elementaren Themen: Liebe, Sexualität, Tod. "Im Kreis der Gespenster", sein jüngster Prosaband aus fünf langen Erzählungen und vier knappen "Interludien", die mit vier Preludes aus op. 28 von Chopin betitelt sind, handelt von Menschen an der Schwelle. Der Geschäftsmann, der auf einer Bank im Park, von einem Bettler grotesk belästigt, seine Homosexualität entdeckt; der Psychoanalytiker, der sich der geladenen Waffe eines verrückten Patienten gegenübersieht; die Witwe, die eines Tages das Grab ihres Mannes nicht mehr findet - alle kippen sie in einem Augenblick gleißender Erkenntnis aus ihrem Alltag heraus und gehen sich verloren. Wie die junge Frau in der Titelgeschichte, die offenbar schon von der anderen Seite der Wirklichkeit her auf ein Liebesdelirium zurückschaut.
Kuczok versteht es meisterhaft, in die ruhige realistische Erzählung das Unfaßbare einbrechen zu lassen - auch darin, nicht nur in ihrer Poesie und Melancholie, sind seine geschliffenen Prosastücke der nervösen Klaviermusik des polnischen Romantikers Chopin verwandt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.01.2007

Marta Kijowska freut sich sehr über diesen Prosaband des 1972 geborenen polnischen Autors Wojciech Kuczok, der in Polen als bedeutendste literarische Neuentdeckung gefeiert wird und mit diesen Erzählungen auch für ein deutsches Publikum zu entdecken ist. In den Texten geht es um je ganz verschiedene Ausformungen der Liebe, erklärt die Rezensentin, die von den thematischen Variationen, ganz besonders aber von der stilistischen Bandbreite der Texte beeindruckt ist. Das Sprachgefühl und die Einfühlsamkeit preist sie als die hervorstechendsten Eigenschaften Kuczoks und sie bejubelt ihn als stilistischen Meister, der auch den "bitteren" Seiten der Liebe noch mit sanftem Humor begegnen kann.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.12.2006

Zwar kreisen die Erzählungen von Wojciech Kuczok immer um das Thema Tod, doch vor der "thematischen Grabesschwere" sollte sich der Leser nicht abschrecken lassen. Rezensent Ulrich Baron jedenfalls hat in den Geschichten eine "formale Eleganz" ausgemacht, eine "meisterhafte" Schreibe und viel Humor obendrein. Außerdem setze Kuczok dem Totenreich die Liebe entgegen, die allein "Angelpunkte setzten kann, um die Kuczoks Gespenster kreisen". In der Titelgeschichte zum Beispiel kann es sich ein Paar nicht eingestehen, dass es längst gestorben ist; immer noch gehen sie miteinander um wie zwei Liebende. Ein wenig fühlt sich der Kritiker bei der Lektüre an die Geschichten von Julio Cortazar erinnert, der dem Leser ebenfalls Zutritt in "fantastische Zwischenreiche" gewährt. Kuczok beschreibt den Übergang vom Reich der Lebenden in die Welt der Toten mit ironischer Distanz: Am Eingang "wacht bei ihm kein Höllenhund, sondern ein unbeaufsichtigter ... Dackel".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.08.2006

Noch jung an Jahren sei Wojciech Kuczok, bemerkt Rezensent Paul Jandl, aber schon so "bitter komisch" wie ein Witold Gombrowicz. Um Liebe gehe es in allen Erzählungen, voller Leidenschaft in einer leidenschaftlichen Sprache erzählt, aber immer ohne Erlösung. Die vielen biblischen Motive dienen dem Rezensenten zufolge zumeist eher der Blasphemie denn der Erbauung, und in der Titelgeschichte erkennen die Liebenden sich als "Gespenster", da von der Liebe nur das geblieben sei, was einmal war. Bei einem Autor wie Kuczok, so der Rezensent, werde auch die Liebe nicht ausschließlich als Privatveranstaltung verhandelt. Die politischen und zeitgeschichtlichen Intentionen seines Romans "Gnoj" seien auch hier spürbar und gäben den Erzählungen einen parabelhaften Charakter.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 03.07.2006

Jörg Plath begrüßt das Erscheinen von Wojciech Kuczoks Erzählungen auf Deutsch und empfiehlt die Lektüre mit Nachdruck. In den fünf längeren Texten und den vier in kursiver Schrift gehaltenen Zwischenstücken geht es um die Liebe und ihren zerstörerischen Zug. Bei Kuczok gibt es keine glückliche Liebe, weil dieses Gefühl zwiespältig ist. Hinter dem Schutzraum, den sie bietet, wartet immer der "Schrecken", wie der Rezensent erfahren hat. Das Thema spricht der polnische Autor mit gebotenem Verve und "irritierenden Zwischentönen" an. Für Plath ist der junge Autor nicht nur wegen dieser gelungenen Erzählungen ein vielversprechendes Talent. Mit diesem "selten kraftvollen" Buch können die Leser wunderbar bis zur Übersetzung von Kuczoks Roman "Miststück" im Februar 2007 überwintern, meint Plath. 
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