Traditionell stellt in Deutschland die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg das Gedenken
an den Ersten Weltkrieg in den Schatten. Wenn vom "Krieg" die Rede ist,
steht einem hierzulande, anders als etwa in Großbritannien, Belgien oder Frankreich,
normalerweise nicht der Große Krieg der Jahre 1914 bis 1918 vor Augen. Dennoch ist der Erste Weltkrieg uns Zeitgenossen zu Beginn des
21. Jahrhunderts auf eine Weise näher gerückt, die noch vor wenigen Jahren unvorstellbar
erschien. Die Zeit vor 1914 wird in vielen neueren Untersuchungen nicht
mehr als überwundene "schlechte" Vergangenheit im Gegensatz zu einer besseren,
klügeren und moralisch überlegenen Gegenwart dargestellt. Vielmehr erhalten diese
Studien gerade dadurch ihren Reiz, dass sie Ähnlichkeiten mit unseren Tagen akzentuieren
und uns als "Erben dieses Krieges" beschreiben. Die Jahre vor 1914 treten uns als eine Epoche forcierter Globalisierung und Modernisierung entgegen, als eine Zeit hochkomplexer europäischer Krisen, in der es Selbstmordattentäter und Terroranschläge gab.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.06.2017
Martin Kröger kann an dem von Dominik Geppert und Norbert Schloßmacher herausgegebenen Band sehen, was moderne Lokalgeschichte zu leisten vermag. Die hier zusammengetragenen lokalhistorischen Studien über Bonn im Ersten Weltkrieg zeigen ihm das Zentrum des Reichtums, der Beamten und der Bildung aus unterschiedlichen Perspektive. Anhand der Tagebucheinträge einer Lehrerin etwa (Norbert Schloßmacher), der zeitgenössischen Regimentsgeschichte (Horst-Pierre Bothien) oder der Bemühungen kommunaler Träger und Bürger in Sachen medizinischer Hilfe (Ralf Forsbach). Die "ausgezeichnet reproduzierten" Bildzeugnisse im Band bieten Kröger reiches Anschauungsmaterial.
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