Detlef Brandes widmet sich im vorliegenden Band einem in der Historiografie zur "Sudetenfrage" bisher kaum beachteten Aspekt - vor dem Hintergrund der internationalen und innertschechoslowakischen politischen Auseinandersetzungen um die Sudetendeutschen zeichnet er die Entwicklung in den Städten und Dörfern des böhmischen und mährischen Grenzgebiets sowie die Reaktionen der Bevölkerung vor Ort nach. Auf der Grundlage umfangreichen Quellenmaterials werden neben dem Prozess der zunehmenden Radikalisierung der Anhänger der Sudetendeutschen Partei auch die Reaktionen der deutschen Sozialdemokraten und Kommunisten sowie der tschechischen Minderheit in den Grenzgebieten auf die Bedrohung durch den deutschen Nationalsozialismus und die "Henleinbewegung" in den Jahren 1935 bis 1938 geschildert. Im Mittelpunkt der Darstellung stehen dabei die für die Verschlechterung der Beziehungen zwischen Tschechen und Deutschen in den böhmischen Ländern zentralen Ereignisse des Jahres 1938, insbesondere die Zeit zwischen dem "Anschluss" Österreichs und dem "Münchener Abkommen".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.08.2009
Hohe Anerkennung zollt Karl-Peter Schwarz diesem Buch. Er sieht das Werk geleitet von der Frage, wie und warum die nationalsozialistische SdP (Sudetendeutsche Partei) die Unterstützung von acht bis neun Zehntel der Sudetendeutschen gewann. Eine Frage, die in der reichen Literatur über die außen- und innenpolitischen Aspekte seines Erachtens bisher nicht umfassend untersucht wurde. Hier leistet Brandes Arbeit nach Ansicht von Schwarz Grundlegendes, bietet es doch Belege für "die nationalsozialistische Durchdringung der Volksgruppe" im Überfluss. Eindrücklich wird für ihn zudem das ganze Instrumentarium totalitärer Durchdringung einer Gesellschaft dargelegt. Sein Fazit: ein Standardwerk, das Maßstäbe setzt.
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