Jörg Osterloh zeichnet die Geschichte der allmählichen Entrechtung, Enteignung, Verfolgung und schließlich der Vernichtung der jüdischen Bevölkerung im so genannten Reichsgau Sudetenland nach und ergründet den spezifischen Charakter der Judenverfolgung in den 1938 von der Tschechoslowakei abgetrennten Gebieten. Alle Akteursebenen von der Berliner Regierung über regionale Entscheidungsträger bis hin zur Bevölkerung müssen dafür in den Blick genommen werden. Entscheidend sind außerdem die Abläufe der "Arisierung" und die Spannungen, die sich zwischen Reichs- und Sudetendeutschen auf dem Feld wirtschaftlicher Interessen sowie auf der Parteiebene und im Alltag äußerten. Der Anhang des Buches enthält neben Fotografien und statistischem Material auch eine tschechische Zusammenfassung der Forschungsergebnisse.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 31.07.2006
Als mustergültige Studie über die nationalsozialistische Judenverfolgung im Sudetenland würdigt der Historiker Hans Mommsen diese Arbeit seines Kollegen Jörg Osterloh. Im Mittelpunkt der Untersuchung findet Mommsen die sich zunehmend verschlimmernde Lage der jüdischen Bevölkerung nach der Eingliederung des Sudetenlands ins Deutsche Reich. Dabei bescheinigt er dem Autor, die Arisierung des jüdischen Eigentums, der miserablen Lebensverhältnisse, alltäglichen Verfolgung, Isolation und Konzentration und schließlich der Deportation der Juden eindrucksvoll zu schildern. Außerordentlich lobend äußert sich Mommsen über die "bemerkenswerte Präzision" und die "Quellennähe" der Arbeit. Er hebt in diesem Zusammenhang auch die Karten und Tabellen zur sozialen und beruflichen Struktur der einheimischen jüdischen Bevölkerung, der jüdischen Unternehmen der demografischen Verteilung, der Transporte nach Theresienstadt im Anhang hervor. Insgesamt sieht Mommsen in dem Buch "weit mehr" als nur eine Regionalstudie: ein "Abbild der Judenverfolgung" im Dritten Reich.
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