Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges waren die böhmischen Länder Schauplatz der größten Wanderungsbewegungen ihrer Geschichte. Sie erfassten mindestens fünf Millionen Menschen. Die Vertreibung und Zwangsaussiedlung der deutschen Bevölkerung sowie die Wiederbesiedlung der Grenzgebiete durch Tschechen und Slowaken veränderten die ethische, kulturelle und sozio-ökonomische Struktur in dieser Region umfassend und nachhaltig. Das Buch konzentriert sich auf den Verlauf und die Folgen der Wiederbesiedlung der Grenzgebiete. Gefragt wird nach den Gründen der Wanderung und nach den demographischen, politischen, sozialen und kulturellen Auswirkungen des Migrations- und Ansiedlungsprozesses. Das Ergebnis ist eine umfassende und kritische Gesamtanalyse der Bevölkerungsverschiebungen in dem Grenzland, wie sie bislang selbst in der tschechischen und tschechoslowakischen Wissenschaft nicht auftaucht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.12.2009
Als "analytisch exzellent strukturiert" und "überzeugend argumentierend" lobt Rezensent Rainer F. Schmidt diese Studie von Andreas Wiedemann über die Ansiedlungspolitik der tschechischen Regierung nach der Zwangsaussiedlung der Sudetendeutschen. Schmidt listet die verschiedenen Problembereiche auf, die Wiedemann behandelt, um dann einige interessante Ergebnisse der Studie herauszuheben. So unterscheide Wiedemann etwa zwischen dem eher unkoordinierten Zuzug von Hunderttausenden von Tschechen im Jahr 1945, die vor allem die verlassenen Häuser und Höfe bezogen. Goldgräber nennt er sie. Ab 1948 wurde die "Peuplierung" dann von der KPC organisiert, die sich mit der Verteilung der sudetendeutschen Vermögen vor allem Gefolgschaft sichern wollte. Schließlich weist Schmidt auf die Anfeindungen hin, denen die sogenannten tschechischen "Altsiedler" ausgesetzt waren.
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