Derek Penslar

Theodor Herzl: Staatsmann ohne Staat

Eine Biografie
Cover: Theodor Herzl: Staatsmann ohne Staat
Wallstein Verlag, Göttingen 2022
ISBN 9783835352049
Gebunden, 256 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Wie wurde aus dem Kosmopoliten und assimilierten europäischen Juden der wichtigste Anführer der zionistischen Bewegung? Theodor Herzl (1860-1904) ist als Begründer des politischen Zionismus weltberühmt geworden. Dennoch wirft sein kurzes Leben viele Fragen auf: Wie konnte er gleichzeitig Künstler und Staatsmann sein, Rationalist und Ästhet, strenger Moralist und doch getrieben von tiefen, manchmal dunklen, Leidenschaften? Und warum wurde er von so vielen - auch traditionellen - Juden als Führungsfigur verehrt? Anhand eines umfangreichen Korpus der privaten, literarischenund politischen Schriften zeigt Derek Penslar, dass Herzls Weg zum Zionismus nicht nur vom grassierenden Antisemitismus angetrieben wurde, sondern sich auch aus persönlichen Krisen erklärt. Einmal dem Zionismus verschrieben, zeichnete sich Herzl als vollendete Führungspersönlichkeit aus - voller Charisma, Energie, organisatorischem Geschick. Er wurde zu einer Projektionsfläche für viele Juden seiner Zeit, für ihre Bedürfnisse und Sehnsüchte.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 31.05.2022

Rezensent Till Schmidt zeigt sich im Ganzen nicht zufrieden mit Derek Penslars nun auf Deutsch erscheinender Herzl-Biografie von 2020. Der Fokus auf Herzls Innenleben und die "vielen Psychologisierungen" im Band gefallen ihm nicht. Zudem liefert der Autor zwar knappe propädeutische Darstellungen von Herzls Texten und ihrer Rezeptionsgeschichte, für die Forschung aber bietet er wenig Neues, stellt Schmidt fest. Bloß anekdotisch anstatt zeithistorisch kontextualisiert bleiben laut Rezensent die Ausführungen über Herzls Ausstrahlung und Erscheinung. Zwar vermeidet der Autor Hagiografisches, er bietet aber auch keinen überzeugenden Ersatz, findet Schmidt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.04.2022

Der rezensierende Historiker Ludger Heid ahnt schon, dass Derek Penslars Herzl-Biografie nicht die letzte sein wird. Aber sie ist eine, die Herzl weder bewundert noch dekonstruiert, sondern ihn als vielschichtige Person und gescheiterten Staatsmann darstellt, wie Heid feststellt. Herzl nicht als großen Denker zu sehen, sondern als Verfasser von Manifesten in einem "ausgeprägten" jüdischen Bewusstsein, wie es der Harvard-Professor Penslar vormacht, scheint dem Rezensenten immerhin ein durchaus lohnender Ansatz zu sein.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.04.2022

Rezensent Joseph Croitoru liest Derek Penslars schmale Herzl-Biografie mit Interesse. Worauf es der Judaist mit seinem Buch abgesehen hat, wird ihm rasch deutlich: auf Neutralität. Penslar versucht laut Rezensent, Herzls Ringen mit sich selbst auf dem Weg zum Zionismus weder hagiografisch noch dekonstruktivistisch zu betrachten, sondern als Ausdruck psychischer wie innerfamiliärer Probleme. Dass der Autor dazu Herzls Theater- und Zeitungsarbeit in den Blick nimmt, hält Croitoru für neu, das Buch schon deswegen für lesenswert.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 21.03.2022

Neue Fakten gibt es nicht in diesem Buch über den Gründungsvater Israels Theodor Herzl. Aber darum geht es dem Autor Derek Penslar auch gar nicht, glaubt Rezensent Carsten Hueck. Penslar suche vielmehr in seinem anschaulich geschriebenen Buch am Beispiel Herzls zu ergründen, was einen charismatischen Führer ausmacht. Herzl war ein Mann seiner Zeit, mit einem "starken Willen" und einer psychischen Verfassung, die es ihm erlaubte, den Zionismus gewissermaßen als persönliche "Erlösung" aus einer Krise heraus zu entwickeln, erfährt Hueck, der das überzeugend findet und lernt, dass man eigene Fehler und Defizite eben auch in etwas Großes verwandeln kann.

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