Übersetzt von Nina Frey und Cornelius Reiber. Eine Familie im Sturm der Weltgeschichte: Auf dem Weg zur Gründung eines jüdischen Staates in Texas. Am 7. Juni 1907 sticht ein Schiff voller russischer Juden in See, nicht nach Jerusalem, wie viele an Bord geträumt haben, sondern nach Texas. Der Mann, der dies organisierte, ist David Jochelmann, der Urgroßvater von Rachel Cockerell. Es ist der Beginn der Galveston-Bewegung, ein in Vergessenheit geratenes Kapitel der Weltgeschichte, als 10.000 Juden im Vorfeld des Ersten Weltkriegs nach Texas flohen. Rachel Cockerell verwebt Briefe, Tagebücher, Memoiren, Artikel und Interviews zu einem lebendigen Bericht über die, die dabei waren. Sie folgt ihren Protagonisten durch zwei Weltkriege, nach London, New York und Jerusalem - während sich ihre Schicksale mit einigen der denkwürdigsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts verflechten.
Rezensent Sieglinde Geisel liest mit Rachel Cockerells neuem Buch einen ganz ungewöhnlichen und sehr bereichernden Ansatz von Geschichtsschreibung: Der ganze Band besteht nur aus Zitaten. Ursprünglich wollte die Autorin nur ihre Familiengeschichte aufschreiben, die in der Mapesbury Road in London begann, erfahren wir, nun setzt sie aber bereits beim ersten zionistischen Kongress 1897 ein. Cockerells Urgroßvater war mit Israel Zangwill befreundet, der wiederum gemeinsam mit Theodor Herzl bestrebt war, einen Zufluchtsort für Juden zu finden, erklärt Geisel. Auch in der Geschichte um Galveston, einen texanischen Ort, der 10.000 Juden aufnahm und zum Beispiel für die USA als Melting Pot wurde, liest sie viele aktuelle Bezüge. Insgesamt lassen sich für sie durch den Zitat-Collagen-Charakter emotionale und politische Bezüge erfahren, die in anderen Büchern verschlossen geblieben wären. Ein mitreißendes und kenntnisreiches Buch, wie sie schließt.
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