Herausgegeben und mit einem Nachwort von Alexander Becker. Die Aufklärung hat nicht nur die Ideen der Gleichheit und Freiheit propagiert und die sinnliche Erfahrung zur einzigen Quelle von Wissen erklärt: In Frankreich hat sie auch das Projekt des Materialismus wiederbelebt und zu einem neuen Höhepunkt geführt. Denis Diderot ist einer der radikalsten und originellsten Vertreter dieses aufklärerischen Naturalismus. Er verfolgt die Idee, dass der Mensch nichts anderes als ein Teil einer dynamischen, sich verändernden natürlichen Welt ist, mit erstaunlicher Offenheit und Lust am gedanklichen Experiment durch alle Bereiche der Philosophie hindurch. Der Band enthält die zentralen philosophischen Schriften Diderots und führt kompakt in sein Denken ein.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.10.2013
Rezensent Helmut Mayer hätte sich zu Denis Diderots 300. Geburtstag eine annähernd gleich große Anzahl von Publikationen wie in Jean-Jacques Rousseaus Jubiläumsjahr gewünscht. Zumindest zwei Neuerscheinungen kann der Kritiker begrüßen - darunter die von Alexander Becker herausgegebenen Philosophischen Schriften des Diderots, die zwar auf die vor fünfzig Jahren erschienene ostdeutsche Ausgabe Theodor Lückes zurückgreift, aber doch um ein gelehrtes und lesenswertes Nachwort verfügt. Interessiert liest der Rezensent, wie Becker in den von ihm ausgewählten philosophischen Texten - etwa "Briefe über die Blinden" oder "D'Alemberts Traum" - insbesondere Diderots Arbeit an einem naturalistischen Bild des Menschen betont. Einmal mehr folgt Mayer interessiert Diderots Gedanken zur Entstehung des Lebens oder zur Bedeutung von Selbstempfinden, Gedächtnis, Bewusstsein und moralischen Vorstellungen - und rät nicht zuletzt aufgrund der Modernität von Diderots Gedankengut unbedingt zur Wiederentdeckung.
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