David van Reybrouck

Zink

Cover: Zink
Suhrkamp Verlag, Berlin 2017
ISBN 9783518072905
Taschenbuch, 60 Seiten, 10,00 EUR

Klappentext

Aus dem Niederländischen von Waltraud Hüsmert. Im Mittelpunkt dieses Essays steht Neutral-Moresnet, eine Mikronation zwischen den Niederlanden bzw. Belgien und Preußen bzw. dem Deutschen Reich, die von 1816 bis 1919 Bestand hatte. Schon die wechselnden Namen der Nachbarstaaten erinnern an die kriegerische Vergangenheit des Kontinents. Van Reybrouck erzählt die Geschichte des knapp vier Quadratkilometer umfassenden Territoriums und entfaltet daraus ein europäisches Panorama, in dem es um die Bewohner geht und um große Industrie (Neutral-Moresnet lebte vor allem vom Abbau eines Zinkerzes), um Krieg, aber auch um Völkerverständigung. So gab es Anfang des 20. Jahrhunderts Pläne, die Mikronation zu einem Esperanto-Staat zu machen. Als Name war "Amikejo" im Gespräch - "Ort der Freundschaft".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.07.2017

Rezensentin Marlene Grunert kann mit David van Reybroucks "Zink" und Philip Dröges "Niemands Land" gleich zwei Bücher über den lange Zeit unabhängigen Zwergstaat Neutral-Moresnet annoncieren. Dabei besticht der Essay des belgischen Autors Reybrouck vor allem durch den "knappen, poetischen" Erzählton, fährt die Kritikerin fort, die hier anhand der Biografie des heimatlos geborenen Emil Rixen, der seine Staatsangehörigkeit im Laufe seines Lebens fünfmal wechselte, der teils sehr "skurrilen" Geschichte des für sein Zink-Vorkommen berühmten Territoriums folgt: Fasziniert liest die Rezensentin neben Anekdoten aus dem Alltag der Mikronation etwa, wie Rixen im Ersten Weltkrieg für Belgien, im Zweiten Weltkrieg hingegen für Deutschland kämpfte.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 22.03.2017

Er hat in seinem Leben keine einzige Grenze überschritten und doch fünfmal die Staatsbürgerschaft gewechselt, die Grenzen gingen über ihn hinweg, fasst Rezensent Andreas Fanizadeh fasziniert die "kleine" Geschichte Emil Rix' zusammen, an der entlang David Van Reybrouck eine "große" Geschichte des Zinks und des Zanks in Europa erzählt. Handlungsort ist die kleinste ehemalige Mikronation Europas, Neutral-Moresnet, das von 1816 bis 1919 existierte, lesen wir. Hier befand sich nicht nur die ertragreichste Zink-Miene Europas, sondern es war auch "multinationaler" Zufluchtsort, Zentrum für Schmuggelgeschäfte und Lebensraum für die "supranationale Utopie", weiß Fanizadeh zu berichten. Einmal mehr, so der beeindruckte Rezensent, gelingt es Van Reybrouck die kleine mit der großen Erzählung souverän zur packenden Geschichte zu verknüpfen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.03.2017

Rezensent Nicolas Freund lässt sich von David Van Reybrouck mit ins winzige Neutral-Moresnet nehmen, das zwischen 1816 und 1919 zwischen den Niederlanden, Belgien, Preußen und dem Deutschen Reich existierte und vom Zinkabbau lebte. Die Geschichte des Zwergstaats zwischen allen Fronten erzählt ihm der Autor "nah am Menschen" anhand einer Figur. Skurril und vergnüglich wird die Lektüre für Freund, aber auch dramatisch, wenn der Held in den Krieg zieht und Gefangener und Bürger von fünf Staaten wird, ohne je den Ort zu wechseln. Wie sich an dem kleinen Flecken inmitten des Kontinents utopische Fantasien entzündeten, kann der Autor dem Rezensenten gleichfalls vermitteln. Eine aufschlussreiche historische Fallstudie, findet Freund.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 04.03.2017

Ein äußerst "skurriles Stück Europa" entdeckt Rezensent Marc Reichwein in David van Reybroucks schmalem Essay "Zink", das ihm die Geschichte der Mikronation Neutral-Moresnet erzählt. Bei dem belgischen Historiker erfährt der Kritiker nicht nur, wie der auch als Altenberg bekannte Zwergstaat nach immer wieder wechselnden Zuständigkeiten zur Attraktion wurde und zeitweise ganz Europa mit Zink belieferte, sondern auch, wie Neutral-Moresnet zur Wahlheimat der Esperanto-Kultur wurde. Vergnügt folgt Reichwein auch Reybroucks heimlichem Helden Joseph bzw. Emil, der ohne Altenberg je zu verlassen zwei Identitäten und fünf Staatsbürgerschaften aufweisen konnte. Nicht zuletzt bewundert der Rezensent die "poetische" Kraft dieser geografischen "Meisternovelle".

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