Aus dem Französischen von Nicola Denis. König Leopold II. initiiert 1884 in Berlin die Kongokonferenz. Jahrzehnte, nachdem das europäische Ringen um Rohstoffe und Land entschieden scheint, fordert der König des Kleinstaats seinen Teil des Kuchens. Er rafft gigantische Teile zentralafrikanischen Regenwalds im heutigen Kongo in seinen Privatbesitz, eine Fläche achtmal so groß wie Belgien. Improvisierend und spärlich besetzt beginnt eine Kolonialherrschaft von ungekannter Brutalität, die das Land bis in die Gegenwart hinein zeichnet. Éric Vuillard macht die Monstrosität der Geschichte Belgisch-Kongos in seinem Text spürbar. Er zeigt kleine Brüsseler Beamte, aufgeschwungen zu Dschungelherrschern, die zu Vollstreckern der europäischen Rohstoffgier werden, und er verleiht ihren zahl- und namenlosen Opfern eine Stimme. Als Erzählung über eines der bizarrsten Kapitel der Kolonialgeschichte und Essay über die Allgegenwart der Gier, ist "Kongo" ein Zeugnis banaler Grausamkeit und des beginnenden Weltkapitalismus.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.06.2015
Ergriffen liest Georg Renöckl das Buch "Kongo" des französischen Schriftstellers Eric Vuillard. Beginnend bei der Kongokonferenz 1884/85 schreibt Vuillard in "rhapsodischen Erzählungen" über die Ausbeutung des Landes während der belgischen Kolonialzeit, über die Auswirkungen des europäischen Kautschukbooms und die unzähligen Toten, erzählt Renöckl. Dabei gelinge es Vuillard auf virtouse Art und Weise das Grauen, die Sinnlosigkeit und die Aburdität der Gewalttaten darzustellen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.06.2015
Schrill "wie eine Zirkusclownposse" erzähle der französische Schriftsteller Éric Vuillard Weltgeschichte, konstatiert Joseph Hanimann. Im jüngsten Fall diene die Berliner Afrika-Konferenz von 1884 mit ihren Folgen als historische Grundlage für Vuillards zwar im Ansatz dokumentarische, dabei aber grotesk überzeichnete und per Einband als "Erzählung" gekennzeichnete Geschichtsstunde. Der Autor erlaube sich große Freiheiten, so Hanimann, und mache sein Buch so zu einer "scharf geschwungenen Arabeske" zur Kolonialgeschichte. Deshalb liegt die Stärke von "Kongo" für den Rezensenten auch mehr in der Schilderung einzelner Anekdoten als in der Vermittlung historischer Zusammenhänge. Durchweg wohlwollende Worte findet der Kritiker für die deutsche Übersetzung durch Nicola Denis: "Klirrend scharf" und dabei bildgewaltig sei diese, befindet Hanimann.
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