Aus dem Amerikanischen von Sophie Deeg. In bester Tradition der teilnehmenden Beobachtung legt David Graeber hier die erste detaillierte ethnografische Studie der Bewegung für globale Gerechtigkeit vor. Ausgehend von der Annahme, dass es keine neutrale, objektive Perspektive gibt, wenn es um Möglichkeiten globaler Veränderung und sich erst entwickelnde politische Formen geht, schreibt er sowohl als Forscher wie auch als Aktivist. Seine "Feldstudie" behandelt die Organisation und die Ereignisse, die den dramatischen Protesten gegen die Anti-Globalisierungs-Gipfel vorausgingen. In klarer, zugänglicher Sprache, fern von jedem wissenschaftlichen Jargon, führt dieses Buch die Leser hinter die Kulissen einer Bewegung, die die weltweiten Machtverhältnisse und die Sichtweise auf diese grundlegend verändert hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 09.08.2013
David Graebers Buch "Direkte Aktion" ist im Original schon 2009 erschienen, lesenswert ist die deutsche Übersetzung aber in jedem Fall, findet Rezensent Stephan Hebel in seiner ausführlichen Kritik. In einer "Mischung aus historischem Abriss und Kampfschrift" beschreibe Graeber die "subversive Poesie" direkter Aktionen, die durch das Ausleben von Idealen "Löcher in der Realität" erzeugen soll, berichtet der Rezensent, früher hieß das mal Einheit von Idee und Aktion, kann er sich noch erinnern. Was Hebel besonders gefällt, ist, dass Graeber auch kritisch über anarchistische Bewegungen reflektiert: sind sie nicht häufig die "Spielwiese der weißen Mittelschichtkinder", die die Zeit und das Geld für solche Experimente haben, referiert der Rezensent. Problematisch findet Hebel, dass Graeber in manchen Fragen, etwa nach der Legitimität von Gewalt, äußerst vage bleibt. Und die Begeisterung für Occupy, die Graeber freiherzig im Vorwort verkündet, erinnert den Rezensenten stellenweise an das elitäre Verhältnis zu den Massen, das auch linke Erlösungsgläubige gerne an den Tag legen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.04.2013
Rezensent Thomas Thiel hat David Graebers neues Buch mit Wohlwollen aufgenommen. Die intellektuelle Ikone der Occupy-Bewegung erläutere hier sein Verständnis des Anarchismus als "moralisches Projekt", in dem versucht werde, ohne Zwischeninstanzen auf die Dinge einzuwirken. Thiel verdankt diesem Buch einen historisch detaillierten Einblick in die Strukturen und Akteure der anarchistischen Bewegungen und erfährt etwa, dass sich der Anarchismus als globale Bewegung schon seit dem zapatistischen Aufstand in Mexiko 1994 neu formiert hat. Darüber hinaus liest der Kritiker hier nicht nur, dass der Anarchismus sich auf Prinzipien wie Hierarchiefreiheit, Autonomie und Solidarität stützt und innerhalb der Szene ein vornehmlich "kultivierter Verhaltensstil" vorherrscht, sondern auch, dass die Brutalität immer erst durch die Polizei bewirkt wird. Auch wenn der Rezensent sich etwas mehr Struktur und etwas weniger persönliche Anteilnahme des Autors gewünscht hätte, kann er dieses "anschauliche" Buch empfehlen.
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