Ralf Dahrendorf legt in diesem Buch eine Auswahl seiner wichtigsten Reden und Aufsätze aus den vergangenen 15 Jahren vor. Sie bieten nicht nur einen Einblick in die Gedankenwelt des großen Soziologen, sondern sind zugleich eine kritische Bilanz der weltpolitischen Entwicklung seit dem Epochenjahr 1989. In den Zeiten des Kalten Krieges ist die Geschichte gleichsam zu einem künstlichen Stillstand gekommen. West und Ost waren jahrzehntelang fixiert auf einen allumfassenden Wettbewerb der Systeme, der die Energie der Veränderung weitgehend absorbiert hat. Erst 1989 - mit dem Fall der Mauer und der Auflösung des Sowjetsystems - hat sich der historische Prozess dann mit Macht wieder in Bewegung gesetzt. Heute, nach dem 11. September und den Kriegen in Afghanistan und Irak, sind wir endgültig in einer anderen, globalen Epoche angelangt, deren Konturen sich erst allmählich abzeichnen. Diesen ebenso dramatischen wie unvorhergesehenen Wiederbeginn der Geschichte hat Ralf Dahrendorf mit großer Aufmerksamkeit begleitet und kommentiert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.11.2004
Mit diesem Sammelband mit Aufsätzen und Vorträgen von Ralf Dahrendorf kann der Leser noch mal die Debatten der Jahre zwischen 1989 und 2003 Revue passieren lassen, freut sich Hans-Peter Schwarz. Er schätzt den Autor ohnehin als "erste Geige" unter den "sozialwissenschaftlichen Auguren" und hat auch bei diesem Band wieder das "intellektuelle Vergnügen" genossen, das mit den Texten des Autors stets einhergeht, wie er preist. Der Rezensent attestiert dem Autor ein "ausgeprägtes Talent", auch über den Kreis der "sozialwissenschaftlich Gebildeten" hinaus Interesse für seine "Analysen der Gegenwart" zu wecken, und dabei gefällt ihm besonders, dass die Texte Dahrendorfs niemals dogmatisch und abgeschlossen daher kommen, sondern Einblick in den Denkprozess des Autors bieten. Selbst zu "abgedroschenen Themen", wie zum Beispiel der Globalisierung, hat Dahrendorf noch Neues und Erhellendes beizutragen, schwärmt Schwarz, dem vielleicht deshalb auch der Aufsatz von 2000, "Die globale Klasse und die neue Ungleichheit" am meisten imponiert hat. Insgesamt lobt der Rezensent, dass dieser Sammelband den Autor einmal mehr als einen der "bedeutendsten Liberalen der westlichen Welt" zeigt, der die "landesüblichen Vorurteile weit hinter sich gelassen hat".
Mehr derart "eloquente Anwälte der liberalen Freiheit" wünscht sich Henning Hoff und ist froh, dass es von einem Vertreter, Ralf Dahrendorf, jetzt eine Sammlung von Reden und Aufsätzen gibt, denen die "Perspektive des großen Liberalen" ihren Reiz verleihe. Obwohl Dahrendorfs Analysen der jüngsten Vergangenheit - vom Mauerfall bis zum Irakkonflikt - nicht immer als "Wegweiser" durch die neuen Zeiten zu gebrauchen seien, sei das Werk an sich ein Erfolg. Denn wie kaum ein anderer habe Dahrendorf als akademischer Gelehrter mit praktischer parlamentarischer Erfahrung das Talent, seinen "Finger auf Probleme zu legen", die die Politik ignoriere. Wenngleich manche Begriffe wie Weltbürgergesellschaft und amerikanisches Imperium "abstrakt" bleiben, so ist das Buch dennoch voller "anregender", facettenreicher Kommentare zum politischen Leben, bilanziert der Rezensent.
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