Lateinisch/deutsch. Übersetzt von Francis Cheneval, mit einer Einleitung von Ruedi Imbach und Irene Rosier-Catach und einem Kommentar von Ruedi Imbach und Tiziana Suarez-Nani. In dieser Schrift begründet Dante die Priorität der Volks- und Muttersprache vor der lateinischen Gelehrtensprache und fordert eine italienische Hochsprache. Er untermauert seine Ausführungen durch eine anthropologische Erörterung der menschlichen Sprachfähigkeit. Dank einer originellen Interpretation des biblischen Mythos vom Turmbau von Babel legt er eine vernünftig begründete Neubewertung der Vielfalt und der historischen Entwicklung der Sprachen vor.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 03.05.2008
Nur auf den ersten Blick ist das ein paradoxes Unterfangen: Dante hält ein flammendes Plädoyer für die Volkssprache - aber er tut es auf lateinisch. Dies aber, so Kurt Flasch, war die einzige Chance, das Thema und die so gewagte wie originelle These für die gelehrte Öffentlichkeit seiner Zeit auf die Tagesordnung zu setzen. Und schließlich hat sich Dante in seinem poetischen Werk an die eigenen Einsichten gehalten: Ein Glück für die Weltliteratur, dass er seine "Göttliche Komödie" in einem Toskanisch verfasste, aus dem sich dann das Hochitalienische entwickelte. Schon und insbesondere im Hinblick auf den Zusammenhang mit dem Hauptwerk ist dieses Buch, mit dem eine Edition der philosophischen Werke Dantes abgeschlossen wird, lesenswert. Aber man solle den höchst eigenwilligen Philosophen Dante Alighieri auch als solchen keinesfalls unterschätzen, meint der Rezensent. Schließlich war er mit der Scholastik bestens vertraut, entwickelte aber seine ganz eigene "laikale Philosophie mit dem Akzent auf dem Praktischen". Nicht nur die Lektüre des letzten, sondern auch der anderen Bände der Ausgabe kann Flasch deshalb nur empfehlen.
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