Jürgen Leonhardt beschreibt den Aufstieg des Lateinischen vom Regionaldialekt zur Kultursprache der antiken Welt, die Ausprägung seiner klassisch gewordenen Formen sowie seine wechselvolle Geschichte in Spätantike und Frühmittelalter. Besondere Beachtung erfährt das Verhältnis des Lateinischen zu den Volkssprachen und seine Wertschätzung seit den Tagen der Karolingischen bis zur Italienischen Renaissance. Der Umgang mit der antiken Literatur seit der Frühen Neuzeit, die aktuelle Frage nach der Bedeutung der Sprache in den verschiedenen Bildungssystemen und der Vergleich des Lateinischen als Wissenschaftssprache mit dem Englischen bilden weitere Schwerpunkte der Darstellung.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 21.04.2010
Latein liegt laut Hans-Albrecht Koch im Trend, wenn er auch die Äußerungen, Latein fördere das logische Denken nicht sehr überzeugend findet. Jürgen Leonhardts Geschichte des Lateinischen würdigt er als gleichermaßen detailliert wie "konzentriert", und er kann dem Autor attestieren, dass er die wichtigsten Stationen der Sprachentwicklung gut lesbar abschreitet. Dass er dabei nach seiner eigenen Vorliebe und - wie in der derzeitigen Latinistik üblich - einen Schwerpunkt beim Latein der Neuzeit setzt, findet Koch legitim. Nur die Bedeutung des humanistischen Gymnasiums des 19. Jahrhunderts beim Zurückdrängen des Lateinischen sieht er in diesem Buch allzu knapp bedacht, insgesamt aber lobt er es als ziemlich vollständige Geschichte der lateinischen Sprache bis heute.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.12.2009
In Jürgen Leonhardt sieht der Zürcher Historiker Caspar Hirschi einen großen Streiter für die Latinistik. Sein Buch über die Geschichte und den Rang des Lateins als Weltsprache scheint ihm konzeptionell mutig und von intellektueller Kraft. Über die Reinheitsapostel dieser "fixierten" Sprache liest Hirschi und staunt über den vom Autor immer wieder versuchten Gegenwarts- und Weltbezug, Leonhardts zielstrebige Stoffauswahl und seine Gabe, die großen sprachgeschichtlichen Veränderungen an kleinen Ereignissen festzumachen. Wie nüchtern und scharfsinnig der Autor den Niedergang der Sprache verfolgt, um schließlich zum Umdenken aufzufordern, zur Erschließung neuzeitlicher lateinischer Werke, beeindruckt Hirschi so zweifellos, wie es ihm symptomatisch erscheint, dass Leonhardt seine Geschichte des Lateins unter Abwesenheit des Lateins erzählt. Nur Mut zum ausgiebigen Zitat, Kollege, scheint er dem Autor zuzurufen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.12.2009
Dass der Autor dieses an Gedanken reichen Buches nicht in die "Falle der Apologetik" des Lateinischen verfällt, rechnet Burkhard Müller ihm hoch an. Wenn Jürgen Leonhardt stattdessen Sprachgeschichte und Kulturgeschichte heranzieht, um das Schicksal des Lateinischen mit dem anderer Sprachen zu vergleichen, profitiert der Rezensent von diesem Blick in die Tiefe von Raum und Zeit. Er erkennt Entsprechungen und Differenzen und bekommt ein neues Verständnis für die Historizität von Sprache, für ihren sozusagen dialektischen Wandel im Verlauf der Zeit. Am Ende wird der Autor dann allerdings doch noch ein bisschen melancholisch. Müller verzeiht's, weil der Autor ihm den drohenden Verlust der Kenntnisse des Lateinischen und des damit verbundenen kulturellen Reichtums vorsichtig und bescheiden vor Augen führt.
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