Daniil Charms

Du siehst mich am Fenster

Werke 4. Autobiografisches
Cover: Du siehst mich am Fenster
Galiani Verlag Berlin, Berlin 2011
ISBN 9783869710310
Gebunden, 249 Seiten, 24,99 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen von Beate Rausch. Herausgegeben von Vladimir Glozer und Alexander Nitzberg. Daniil Charms, privat wie nie: Das Drama seines Lebens in Selbstzeugnissen und Briefen. Was für ein Glück, dass so viele von Daniil Charms' Texten gerettet wurden. Nach seinem Hungertod in einem stalinistischen Gefängnis durchsuchte ein Freund seine Wohnung und fand einen Koffer voller Aufzeichnungen, den er in Sicherheit brachte. Aus der immensen Fülle des Materials hat Beate Rausch eine Auswahl von Notizbucheintragungen, Briefen und Texten mit autobiografischem Bezug zusammengestellt, aus der wir das ganze Drama seines turbulenten Lebens vor Augen geführt bekommen. Seine Notizbücher zeigen ein zerrissenes Genie, schwankend zwischen Selbstzweifeln und Größenwahn, Allmachtund Angstgefühlen. Ein sexbesessener Mann, der Frauen vergöttert (oft mehrere gleichzeitig), sie jedoch auch mit notorischer Untreue quält.
Auch in der Kunst war er extravagant: Bei seinen Lesungen hielt es ihn nicht auf seinem Stuhl, skandierte er Texte von der Höhe eines Schranks herab. Eine unbändige Unruhe zieht sich durch seine gesamten Aufzeichnungen. Teils vibrieren sie vor Leidenschaft und Lebensfreude (Charms Antidot gegen die Armut und die ständige Angst vor Verhaftung), teils versinken sie in tiefer Verzweif lung, die ihn immer wieder zu erdrücken scheint. Doch Charms wäre nicht Charms, blitzte in seinen Texten nicht ständig auch sein großartiger, bizarrer und absurd komischer Humor auf. Abgerundet wird der Band mit einer Auswahl seiner "Traktate ", aus denen wir mehr über seine Lebens- und Gedankenwelt erfahren.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.03.2013

Rezensent Uwe Stolzmann weiß diese vierbändige Werkausgabe des russischen Avantgardisten Daniil Charms (1905-1942) zu schätzen. Die von Vladimir Glozer und Alexander Nitzberg herausgegebene deutsche Ausgabe erschließt für ihn das breite Oeuvre des Schriftstellers und verdeutlicht, dass Charms nicht nur ein "Meister grotesker Prosa" war, sondern auch Lyriker, Dramatiker und Performance-Künstler. Zahlreiche Texte waren nach Auskunft des Rezensenten bisher nicht ins Deutsche übertragen oder nur in weniger überzeugenden Übersetzungen zu lesen. Nicht immer scheint Stolzmann die Lektüre der vier Bände die reine Freude zu sein, finden sich unter den Texten doch auch einige Belanglosigkeiten. Auf der anderen Seite hat er immer wieder Überraschendes entdeckt. Die Ausgabe ermöglicht in seinen Augen jedenfalls einen neuen, umfassenderen Blick auf Charms sowohl im Blick auf die Breite seines Oeuvres als auch im Blick auf die Abgründe des Schriftstellers.
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