Dana Grigorcea

Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit

Roman
Cover: Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit
Dörlemann Verlag, Zürich 2015
ISBN 9783038200215
Gebunden, 220 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Eine Bank wird überfallen und in der Folge die Angestellte Victoria vom Dienst beurlaubt, um ihr traumatisches Erlebnis zu verarbeiten. Eben erst in ihre Heimatstadt zurückgekehrt, nutzt sie die Zeit, um das Bukarest ihrer Kindheit, aber auch der Gegenwart zu erkunden. Sie begegnet der alten Näherin auf ihrem Podest, dem Bankräuber, ihrem ehemaligen Liebhaber und dem Sohn der ermordeten Nachbarn wieder, während sie im heißesten Sommer seit Jahren im Cabrio durch die Stadt fährt mit ihrem gegenwärtigen Freund, der ihr einen Heiratsantrag macht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.09.2015

Die Kritik an der Selbsttäuschung der rumänischen Gesellschaft, die Dana Grigorcea in ihrem Roman "Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit" äußert, ließe sich ebenso gut auf ihr eigenes Buch anwenden, wundert sich Christopher Schmidt. Denn trotz einiger Warnungen vor der Unzuverlässigkeit der Erzählerin, einer als Bankerin zurückgekehrten Emigrantin, verschwimmen bei Grigorcea doch Fakt und Fiktion zu dem fantastischen Wirrwarr einer von Anachronismen durchzogenen Gegenwart, das den Blick auf die Wirklichkeit verstellt, erklärt der Rezensent. Gerade hier ist der blinde Fleck wenigstens der Erzählerin, die sich auf die Suche nach ihrer verlorenen Herkunft begibt, in die sie derart fantasierend noch immer ganz verstrickt ist, so Schmidt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.09.2015

Rezensentin Wiebke Porombka ist glücklich, dass Dana Grigorceas Roman "Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit" hält, was bereits der in diesem Jahr in Klagenfurt ausgezeichnete Textauszug versprach. Wunderbar bewegende, ebenso komische wie traurige, bisweilen "absurde" Episoden liest die Kritikerin in diesem Buch, in dem die in Bukarest geborene Autorin in gelungenen Anekdoten das Vorwende-Rumänien erstehen lässt. Und so folgt die beeindruckte Rezensentin hier der Bankerin Victoria, die nach einem Überfall zur Gesprächstherapie gebeten wird und in kurzen Erinnerungspassagen von Not, Alltag und Bedrohungen unter dem Ceausescu-Regime erzählt. Ein "existentieller" Roman, der nicht zuletzt durch Poesie und feinen Humor besticht, lobt die Kritikerin.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.08.2015

Beeindruckt zeigt sich Roman Bucheli von Dana Grigorceas Erinnerungsarbeit in diesem neuen Roman. Dass Komik und Trauer nah beieinander liegen erfährt Bucheli anhand der Geschichte der jungen Erzählerin, die sich erinnernd dauernd aus der Bukarester Gegenwart zurück in die Ceausescu-Ära bewegt und im Dazwischen lebt. Mit ihr hat der Rezensent eine raffinierte Geschichtensammlerin, die ihm zwar nur die mal rührenden, mal kuriosen Bruchstücke einer Biografie vermittelt, aber doch so, dass das Nebeneinander von Gewaltgeschichte und Burleske dem Leser einleuchtet, wie Bucheli versichert. Der Sprachwitz und das kompositorische Können der Autorin machen das Lesevergnügen für Bucheli komplett.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.08.2015

Unwiderstehlich findet Judith von Sternburg Dana Grigorceas Heldin, ebenso wie ihren satirischen Blick auf die Verhältnisse im verrückt witzigen Vorwenderumänien. Dass sich die Autorin mit Details abgibt, trägt auch dazu bei. Für Sternburg gilt Grigorcea darum als eine Entdeckung, auch wenn das Buch schon ihr zweiter Roman ist. Elegant und souverän scheint der Rezensentin die Art und Weise, wie die Autorin Leserinnenerwartungen enttäuscht und das Erzählen der mündlichen Überlieferung überlässt, mosaikartig, unermüdlich.