Aus dem Englischen von Eike Schönfeld. Rumänien unter der Diktatur: Paul, Fane und Oksana träumen von Freiheit und Glück in einer Welt voller Nöte und Verbote. Der Philosophiestudent Paul ist ein begnadeter Schlagzeuger. Fane bewundert ihn, kauft sich eine elektrische Gitarre und ein altes Radio, das er als Verstärker benutzt. Er übt, bis sie zusammen in einem Theaterdepot zwischen Kostümen und Requisiten spielen können. Oksana arbeitet als Kellnerin. Sie bringt den Jungs zu essen: Eier, Schnitzel, manchmal Kuchen, den ihre Großmutter gebacken hat. Sie hängt einen Teppich mit einer Landschaft an die Wand und tauft das Depot "Goldene Höhle", es ist ihr Versteck, ein Schutz vor der kalten kommunistischen Nacht. Bis zu dem Tag, an dem Paul verschwindet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.11.2023
Wie eine Freundschaft zwischen zwei jungen Männern im Rumänien Ceausescus Ende der 80er-Jahre aussehen konnte, liest Rezensentin Julia Baumann in Catalin Partenies Debüt. Paul, der 1989 in Bukarest stirbt, und Fane sind Musiker, das ist in einer Diktatur allerdings höchst prekär, Kunst und kritisches Denken unter dem neostalinistischen Diktator nicht erwünscht. Sie schaffen sich mit ihrem Proberaum, der titelgebenden "goldenen Höhle" trotzdem einen Rückzugsort, an dem sie Musik machen können, berichtet Baumann. Paul hat Philosophie studiert, hier erkennt die Kritikerin klar den Autoren selbst, der Philosophie-Professor ist. Hier präsentiert er eine "düstere Coming-of-Age-Geschichte", die auch die Unruhen und Verwirrungen rund um die rumänischen Revolution Ende 1989 nicht ausspart und menschlich-zeitlos wirkt, so Baumanns Befund.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 04.02.2023
Rezensent Lennardt Loß begegnet mit Catalin Partenies Roman einem "starken, späten literarischen Debüt". Der rumänische Philosophieprofessor erzählt hier von den letzten Jahren der Ceauşescu-Diktatur in Rumänien, so Loß: Es geht im Rückblick um den jungen Fane und den von ihm vergötterten Musiker Paul, um eine verklärte gemeinsame Zeit, die mit Pauls Tod im Zuge der "Terrortage" im Dezember 1989 endet. Wie Partenie dabei einerseits mit der titelgebenden Goldenen Höhle, einem Theaterdepot, in dem die beiden Figuren tagelang musizieren und die Welt vergessen, eine Insel abseits des Terrors schaffe, diesen aber andererseits immer wieder in Nebensätzen in die Gespräche der beiden integriere, beeindruckt den Kritiker. Auch, dass die Figur Pauls in ihrer "Uneindeutigkeit" - genialer Schlagzeuger oder doch nur ein "armer Spinner"? - zum Emblem für die immer noch umstrittene rumänische Revolution werde, findet Loß stark. Einziges Manko für ihn: einige Intellektuellenposen und der ein oder andere "Bildungsbürgerwitz".
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