Mit einem Nachwort von Werner Löcher-Lawrence und Jens Nielsen. In ihrem zweiten Roman läßt Aglaja Veteranyi die erwachsen gewordene Erzählerin aus ihrem erfolgreichen Erstling "Warum das Kind in der Polenta kocht" einen neuen, geänderten Blick auf Familie und Leben werfen, hin- und hergerissen zwischen Mutter und Tante und immer neu auftauchender Verwandtschaft. In ihrem neuen Roman, den Veteranyi vor ihrem tragischen Tod vollenden konnte, erzählt sie von der inzwischen erwachsenen Heldin, die als junge Frau, verstrickt in die eigene Geschichte, versucht, sich aus ihren Zwängen zu lösen...
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 31.10.2002
Sibylle Birrer hat den letzten Roman der im vergangenen Februar durch Selbstmord verstorbenen rumänisch-schweizerischen Autorin Aglaia Veteranyi gelesen. Darin bewegt sich die Autorin laut Birrer auf zwei Achsen, gebildet durch "das fremde Rumänien der Familienbande und die fremde Schweiz ihrer Gegenwart". Birrer begreift den Roman, der vom Sterben der Tante, begleitet von der Nichte, erzählt, nicht als Abschiedsbuch: "wer mit einer solchen Intensität von Sterben spricht, steht mitten im Leben". So lobt die Rezensentin das Können der Autorin, die "komplexe Geschichten in ganz einfachen und knappen Zügen" erzählt, "indem sie die Charaktere entlang ihrer Körperwärme skizziert". Daher trauert Birrer um diese besondere Stimme der Literaturwelt, deren letztes Buch eine Art "Totenkuchen" darstellt, von dem Lebende und Tote zehren: "Ganz in diesem Sinne leuchten die bunten Smarties auf ihrem Totenkuchen irgendwie herzlich zum Abschied".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.10.2002
Was der Titel bedeutet, verrät uns Hans-Peter Kunisch nicht. Dafür jedoch lässt er uns teilhaben an seiner eigenen Verstörung und Beeindrucktheit von diesem nachgelassenen Buch einer vierzigjährigen Autorin, die über den Tod geschrieben hat und sich vor der Beendigung dieses Romans umbrachte. Sehr feinfühlig gegenüber diesem Text, der "auf den ersten Blick" disparat ist, weil Veteranyi im "temporeicher Mischung" alle möglichen Formen probiert, - wütend dagegen auf den "gelenkig einordnenden Literaturkonsum" schreibt sich Kunisch seine Betroffenheit vom Leib. Betroffen ist er über den "Familien-Hass-Roman" und über den kraftvollen "Trauer-Wut-Verzweiflungs-Drive", der das Buch für ihn auszeichnet, und schreibt dazu, hier sei eben nicht alles nur als Literaturgenuss da, sondern man müsste "manchmal über die Wörter nachdenken". Traurig konstatiert er am Ende, dass am 3. Februar dieses Jahres "die deutschsprachige Literatur eines ihrer kraftvollsten und eigenwilligsten Talente verlor".
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