Clemens Meyer

Die Nacht, die Lichter

Stories
Cover: Die Nacht, die Lichter
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2008
ISBN 9783100486011
Gebunden, 265 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Er setzt alles auf eine Karte, der Hundebesitzer, der auf der Rennbahn sein Geld verwettet, um eine teure OP zahlen zu können. Sie will es allen zeigen, die junge Frau, und sich vom Flüchtlingsschiff in die erste Liga hochboxen. Sie reden eine Nacht lang, der junge Mann und eine alte Freundin, haben einander zufällig wiedergetroffen, sie denkt vielleicht an ein gemeinsames Leben, doch er weiß, dass es anders kommen wird. Clemens Meyer erzählt von der Hoffnung, einmal im Leben den großen Gewinn einzustreichen, von dem Willen, etwas aus sich zu machen, und der verpassten Liebe. Seine Geschichten spielen in der stillen Wohnung, in der Lagerhalle und am Fluss. Seine Helden sind dem Leben ausgesetzt, es sind die Heimatlosen und Träumer, die die nächtliche Stadt durchstreifen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.03.2008

Nicht alle Geschichten in diesem Erzählungsband von Clemens Meyer scheinen Rezensent Paul Jandl wirklich gelungen, insbesondere die nicht, in denen der Suff die Hauptrolle spielt. Die Stories allerdings, in denen es nüchterner zugeht, findet er einfach grandios. Er attestiert dem Autor, genau zu wissen, was er kann und was nicht. Souverän beherrscht Meyer seines Erachtens einen Stil, der an Hemingway oder Richard Ford erinnert. Jandl verneint auch die angesichts der in den Geschichten vermehrt auftretenden Hartz-IV-Empfänger, Gabelstaplerfahrer und Junkies aufgeworfene Frage, ob Meyer die "wirklichkeitsnahe, politische Literatur" schreibt, die "das Feuilleton gerne einfordert". Sein Eindruck ist eher, dass Meyer nur darum so politisch wirkt, "weil bei ihm das private Unglück epidemisch ist". Bei der Lektüre dieser Geschichten kann man in seinen Augen lernen, dass Hoffnung und Enttäuschung nicht ein Phänomen Deutschlands, sondern eines der Existenz sei.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.03.2008

"Solche Erzähler braucht das Land!", ruft Rezensent Martin Lüdke begeistert über Clemens Meyers neuen Erzählband aus, dessen Geschichten er als "dicht und realitätsgesättigt" feiert. Auch ist der Blick dieses Autors auf die "einfachen Verhältnisse", über die er schreibt, aus Sicht des Rezensenten nicht durch Larmoyanz getrübt, sein Ton ohne jede Anflüge sozialkritischer Empörung, worin für Lüdke ein Hauptreiz dieser Texte besteht, die ihn aber auch durch ihre erzählerische Ökonomie bestechen. Auch die Art, wie Meyer mit der Schilderung individueller Schicksale aufs große Ganze unserer gegenwärtigen Verhältnisse zielt, beeindruckt den Rezensenten sehr, für den jeder Satz von Clemens Meyer "wie ein Sprengsatz in den Hohlformen der politischen Rhetorik" erscheint. Zwar seien nicht alle dieser fünfzehn Erzählungen "gleichermaßen gelungen". Trotzdem hat Meyer für Lüdke mit diesem Buch die schwere Hürde zum Zweitling nach seinem gefeierten Erstling "Als wir träumten" mit Grandezza genommen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2008

Einen Reifungsprozess konstatiert Rezensent Edo Reents nach Lektüre dieses Erzählungsbands des für seine Tattoos und seine Nähe zur Unterschicht bekannten Clemens Meyer. Aber was heißt schon Unterschicht, fragt Reents, dem solche einfachen Zuordnungen und Metaphern wie die vom "Rand der Gesellschaft" eher suspekt sind. Vor allem habe der Erzähler Meyer dergleichen aufmerksamkeitssteigernde Etiketten gar nicht nötig, denn bei seinen Einblicken ins Leben der Unterprivilegierten sei er, wie in diesem Band demonstriert, über "Kraftmeiereien" irgendeiner Art längst hinaus. Die Figuren, die auftreten, sind "Arbeitslose, Boxer, Schläger und Trinker", anders als früher habe Meyer jetzt aber einen Ton gefunden, der "von bemerkenswerter Einsicht in die Unwägbarkeiten und Ungerechtigkeiten des Lebens" zeugt. Im engeren Sinne politisch sei das nicht, deshalb dürften sich auch alle jene angesprochen fühlen, die sich dem Leben nicht recht gewachsen fühlen. Stilistisch sieht Reents den Autor Meyer in der Nähe zu den amerikanischen Klassikern der Kurzgeschichte - und das ist offensichtlich als großes Kompliment gemeint.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 11.03.2008

Ina Hartwig geht im Aufmacher der Literaturbeilage ausführlich der Frage nach, ob Clemens Meyer mit den neuen Stories an seinen Debüterfolg anschließen kann und ob die Abwehrhaltung mancher ihrer Kollegen vielleicht im Milieu der "Abstürzenden" zu suchen ist, aus dem der Autor berichtet. Dabei vermutet sie auch ein Missverständnis am Werk, denn die Meyer'sche Dramaturgie der aufflackernden Hoffnung und Desillusion sei gerade nicht philosophisch oder gesellschaftlicher Natur, sondern psychologisch und existenziell, wie es das nicht zu erklärende und von vorne herein hoffnungsferne Grundgefühl der Geschichten beweist, das an den Protagonisten nagt. Man mag sich zwar über die fast repräsentative Auswahl der abstürzenden Figuren wundern, und die Erzählungen sind auch nicht immer von gleich bleibender Qualität, räumt die Rezensentin ein, trotzdem sieht sie einen "phantastischen, geradezu humanen Sinn für die Scham der Sprachlosen" verwirklicht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.03.2008

Christoph Bartmann fragt sich, für wen Clemens Meyer seine Kurzgeschichten eigentlich geschrieben hat, die durchweg in dem sozial schwachen, ostdeutschen Milieu spielen, in dem schon sein preisgekrönter Debütroman "Als wir träumten" angesiedelt ist. Es gelinge dem Autor nämlich nicht, seine traurigen Geschichten von Boxern, Trinkern oder Gabelstaplerfahrern zum "Leuchten" zu bringen, wie es Meyers eigener Anspruch war. Vielmehr blüht nach Ansicht des enttäuschten Rezensenten das "negative Klischee", ihn überzeugen die Figuren, die der Autor seinen Lesern als Repräsentanten der Wirklichkeit vorführt, nicht. In den vornehmlich nachts spielenden Geschichten seien es allenfalls alkoholische Getränke, die transzendierende Wirkung auf die Protagonisten haben könnten. Nur in der ausnahmsweise tagsüber angelegten Geschichte über einen Gabelstaplerfahrer erkennt der Rezensent die Gabe Meyers für präzise Beobachtungen und überzeugende Metaphern, und er bescheinigt ihm zumindest für diesen Text, ein gelungenes und bleibendes Bild für die abgrundtiefe Einsamkeit des zwischen Kühlregalen rangierenden Protagonisten geschaffen zu haben.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 01.03.2008

"Bitte mehr davon!" ruft sichtlich begeistert Rezensent Kolja Mensing aus, der Clemens Meyer für seine sechzehn in diesem Band versammelten Kurzgeschichten handwerkliches Können und Sinn für Pathos bescheinigt. Gleichzeitig beeindruckt ihn die Lakonie, mit der hier manche soziale und menschliche Härte geschildert wird. Besonders hat es dem Rezensenten die wortkarge Geschichte "Reise zum Fluss" angetan, bei der es sich ausgerechnet um jene Erzählung handelt, für die Meyer in Klagenfurt heftig abgewatscht worden ist. Trotzdem, in dieser Erzählung findet der Rezensent ein "Maß an emotionaler Überwältigung", die für seinen Geschmack in der Gegenwartsliteratur eher selten ist. Mitunter übertreibe Meyer es allerdings in seinen Erzählungen nach dem Geschmack von Mensing aber auch, der außerdem auf Mängel beim Lektorat aufmerksam macht. Was seiner Gesamtbegeisterung für diese "Stories" nicht den geringsten Abbruch tut.
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