Lukas Hammerstein

Video

Roman
Cover: Video
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2006
ISBN 9783100297037
Gebunden, 240 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Ein Politiker zwischen Exzess und totaler Selbstkontrolle auf der lebensgefährlichen Suche nach Hingabe und Intensität, im freien Fall durch die Zeit: Lukas Hammersteins virtuos erzählter Roman ist die höchst intime Geschichte des Politischen in den letzten 25 Jahren, glühend romantisch und kühl bis ins Herz. Piet Escher, einst einer der erfolgreichsten Politiker der jüngeren Generation, hat seinem Leben ein Ende gesetzt - auf einem Flugzeugfriedhof in der Wüste von Arizona. Sein einziges Vermächtnis ist ein Videofilm von seinem Sterben, aber was zeigt dieses Video wirklich?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 05.07.2006

Kein großer Wurf, aber dennoch lesenswert, ist dieser Roman über zwei Männer, einem Grünenpolitiker und einem Unternehmensberater, meint Jan-Frederik Bandel. Romane über Aufstieg und Fall in Politik und Wirtschaft liegen im Trend, so der Rezensent, aber diese Geschichte, die zwischen 1979 und 2005 spielt, will weder den Absturz von der Höhe des Erfolgs, noch die Erfahrung des Alterns thematisieren. "video" geht es um das "Lebensgefühl" der den 68ern nachfolgenden Generation, den "78ern", die nach Desillusionierung und Enttäuschung mit der inneren Leere leben lernen müssen, so Bandel weiter. Was ihm an dem Roman gefällt, ist die Art, wie das Politische in den Biografien der Protagonisten seinen Niederschlag findet, auch wenn der Rezensent einräumt, dass Handlung und Erzählweise nicht immer befriedigen. Insbesondere den Alltagsjargon der Figuren findet er nicht sehr überzeugend, und auch die nicht der Chronologie der Ereignisse folgende Handlungsstruktur stellt für ihn lediglich den durchsichtigen Versuch dar, dem Buch mehr Komplexität zu verleihen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.05.2006

Piet Escher ist durch Freitod aus der Welt gegangen, einer Welt, die er als Zeitgenosse durchaus mitgeprägt hat. Er war nämlich, in Lukas Hammersteins Roman, das "prominenteste Mitglied der Grünen", eine so charismatische wie symptomatische Figur, deren Karriere von der Revolte zur Regierungsbank führt - und mit einem Job als Flugplatzwärter in Arizona endet. Von letzterem Detail (vorerst) mal abgesehen, kann man sich, das sieht auch der Rezensent Christoph Schröder so, durchaus an die Biografie Joschka Fischers erinnert fühlen. Ein Schlüsselroman aber ist "Video" deshalb noch lange nicht. Vielmehr gehe es dem Autor um so etwas wie die "kollektive Biografie eines Landes und einer Epoche". Er setzt, literarisch ambitioniert, ein "Video"-Bild zusammen, und zwar unter Verzicht auf chronologische Ordnung, in Erzählfragmenten und "harten Schnitten". Der Roman hat, so der Rezensent, seine problematischen Züge - vor allem die Frauenfigur Maria, die Piet Escher ebenso wie der Ich-Erzähler begehren. Das aber werde leicht von viel Gelungenem aufgewogen, von hervorragenden Dialogen und der "atmosphärischen Sprache" vor allem. Insgesamt handelt es sich deshalb, lobt Schröder, um "einen intelligenten, spannenden und unterhaltsamen Gegenwartsroman".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.04.2006

Unschwer war für Rezensent Martin Halter in Lukas Hammersteins Held Piet Escher ein Double von Joschka Fischer zu erkennen: ein Hedonist, Zyniker und Vollblutpolitiker, wie Halter schreibt, der sich auf den Höhen der Berliner Macht vollends zum "arroganten Kotzbrocken" entwickelt. Dazu gibt es in WG-Küchen und den Hinterzimmern der Macht jede Menge politisches Gerede, Politslogans, Smalltalk und Neusprech. Doch überzeugt ist der Rezensent nicht ganz von Hammersteins Versuch, die Sinnkrise der rot-grünen Generation abzubilden. Zum einen scheint ihm das Ganze ein wenig zu authentisch nachgebildet, allerdings im Gegensatz zu seinem Buch "Die 120 Tage von Berlin", in dem noch eine gewaltige "apokalyptische Sause" vonstatten ging, deutlich "herabgedimmt". Manchmal überkam den Rezensenten auch der Eindruck, dass Hammerstein ein ähnlich taktisches Verhältnis zu den Figuren in seinem Roman entwickele wie sein Held.
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