Es gibt Menschen, die haben das zweite Gesicht, erzählt man sich. Und es ist ihr blindes Auge, das mehr sieht. Ein Spiegelbild verschwindet und beginnt, ein eigenes Leben zu führen. Kranke Augen sehen die Welt phantastisch, da steht ein Zirkuspony in der U-Bahn-Station, und die Liebe auf den ersten Blick kann ein katastrophaler Irrtum sein. Tilman Spreckelsen hat die gruseligsten, hellsichtigsten und erstaunlichsten Geschichten der Weltliteratur zu Blicken und Augen versammelt. Fotografien, die verborgene Wahrheiten enthüllen; Geheimnisse, die offen zu Tage liegen; und ein Vorleser, der den Urwald nie wieder wird verlassen dürfen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.01.2007
Als "eine Sammlung, die nach Erweiterung schreit" annonciert Rezensent Jörg Drews dieses "motivische Lesebuch" zum Thema Sehen. FAZ-Autor Tilman Spreckelsen hat darin, lesen wir, Geschichten zum Thema von Poe, H.G. Wells über Goscinny, Lovecraft, Ingeborg Bachmann und Ilse Aichinger versammelt. Das den Rezensenten am meisten überraschende Stück ist erst vor ein paar Jahren entstanden und stammt von Nina Jäckle. Und weil der Rezensent das Thema so inspirierend und zwingend findet, fallen ihm beim Lesen auch schon lauter Kandidaten für einen Fortsetzungsband ein, den er sich am Ende auch noch eine Spur schärfer gewürzt vorstellen könnte, mit "Peeping Tom" oder Arno Schmidt zum Beispiel.
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