Es gibt Menschen, die haben das zweite Gesicht, erzählt man sich. Und es ist ihr blindes Auge, das mehr sieht. Ein Spiegelbild verschwindet und beginnt, ein eigenes Leben zu führen. Kranke Augen sehen die Welt phantastisch, da steht ein Zirkuspony in der U-Bahn-Station, und die Liebe auf den ersten Blick kann ein katastrophaler Irrtum sein. Tilman Spreckelsen hat die gruseligsten, hellsichtigsten und erstaunlichsten Geschichten der Weltliteratur zu Blicken und Augen versammelt. Fotografien, die verborgene Wahrheiten enthüllen; Geheimnisse, die offen zu Tage liegen; und ein Vorleser, der den Urwald nie wieder wird verlassen dürfen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.01.2007
Als "eine Sammlung, die nach Erweiterung schreit" annonciert Rezensent Jörg Drews dieses "motivische Lesebuch" zum Thema Sehen. FAZ-Autor Tilman Spreckelsen hat darin, lesen wir, Geschichten zum Thema von Poe, H.G. Wells über Goscinny, Lovecraft, Ingeborg Bachmann und Ilse Aichinger versammelt. Das den Rezensenten am meisten überraschende Stück ist erst vor ein paar Jahren entstanden und stammt von Nina Jäckle. Und weil der Rezensent das Thema so inspirierend und zwingend findet, fallen ihm beim Lesen auch schon lauter Kandidaten für einen Fortsetzungsband ein, den er sich am Ende auch noch eine Spur schärfer gewürzt vorstellen könnte, mit "Peeping Tom" oder Arno Schmidt zum Beispiel.
Lena Schätte: Das Schwarz an den Händen meines Vaters Motte wird sie von ihrem Vater genannt. Eigentlich hat sie sogar zwei Väter: den einen, der schnell rennen kann und sich auf alle Fragen eine Antwort ausdenkt. Und den anderen,… Angelika Klüssendorf: Trost 2022. Angelika Klüssendorf erzählt von Liebe, Entzweiung und der Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Rita, Meisterin darin, sich in die falschen Männer zu verlieben, fällt plötzlich… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen…