Als "behindert" geltende Körper werden sozial und kulturell hervorgebracht. Welche Texte schreiben aber den behinderten Körper - einen Körper, der stets vergeschlechtlicht, sozial klassifiziert und kulturell entworfen ist? Diskursanalytische Interpretationen narrativ-biografischer Interviews mit Frauen verweisen auf strategische Lesarten des behinderten Körpers. Dabei werden Ambivalenzen in der Identitätsarbeit sichtbar und Verschiebungen der Schnittfelder von race, class, gender und body offen gelegt. Dem Diskursfeld Behinderung in Deutschland wird so eine kulturwissenschaftliche Perspektive mit behinderungspolitischer Brisanz nahe gelegt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 21.09.2005
Menschen mit Behinderungen sind nicht nur Menschen mit Behinderungen, referiert Rezensent Christian Mürner eine zentrale Aussage der Autorin, sie sind in erster Linie Menschen und mit vielen "Identitätspartikeln" ausgestattet. Die Sozialwissenschaftlerin Bruner stelle in ihrem Buch Interviews mit acht körperbehinderten Frauen vor, begleitet von einem "beeindruckend differenzierten und selbstkritischen" theoretischen Teil. Die Fragestellung richte sich auf die Bedeutung von Körper und Behinderung in den Biografien von Frauen. Und hier, so der Rezensent, hebe die Autorin hervor, dass Behinderung nicht zwangsläufig zu einer "bestimmten Lebenssituation" führe. Behinderungen seien "Differenzkategorien" und keine kennzeichnenden Merkmale, und sie würden beständig neu "ausgehandelt". Die Autorin weise darauf hin, dass der Behinderungsgrad selbstverständlich auch für die Frauen in ihren Interviews ein Kriterium zur Abgrenzung und Positionierung darstelle. Die Studie von Claudia Franziska Bruner und insbesondere die Interviews vermitteln dem Rezensenten den Eindruck einer hier und da "zerrinnenden Unterscheidung" zwischen Menschen mit und ohne Behinderungen. "Sie geraten in ein kommunikatives Verhältnis."
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