In Westdeutschland war sie praktisch unbekannt, in der DDR benannte man Schulen, Kindergärten und Straßen nach ihr: Olga Benario. 1908 in eine jüdische Münchener Familie geboren, engagierte sie sich in den 1920er Jahren bei der Kommunistischen Jugend in Berlin-Neukölln. 1928 floh sie in die Sowjetunion, wurde Agentin der Komintern, die sie nach Paris und London und schließlich nach Rio de Janeiro entsandte. Nach einem gescheiterten Aufstand lieferte Brasilien Benario an Nazideutschland aus, wo sie 1942 ermordet wurde. Der Historiker Christopher Kopper schildert diese Lebensgeschichte erstmals in einer wissenschaftlichen, auf bislang unbekannten Quellen basierenden Biografie. Er entwickelt das Porträt einer mutigen Frau, die viele Grenzen sprengte und nur ein Ziel kannte - die Weltrevolution.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 10.03.2025
In Deutschland ist die kommunistische Widerstandskämpferin Olga Benario nur wenigen bekannt, vielleicht ändert sich das nun mit der gut recherchierten Biografie von Christopher Kopper, hofft Rezensent Matthias Arning. Geboren 1908 in München, schließt sie sich schon als Jugendliche den Kommunisten an, wird verhaftet und flieht nach ihrer Freilassung nach Moskau, wo sie sich in den Dienst der Komintern stellt und schnell eine tragende Rolle überimmt, erfahren wir. Mit dem brasilianischen Widerständler Luiz Carlos Prestes bekommt sie eine Tochter, für die sie in dunkler Vorahnung schon ein Unterkommen bei Verwandten organisierte: 1942 wird sie von den Nazis im KZ Lichtenberg umgebracht - Kopper hat aufwendig recherchiert und sich auch auf viele Quellen von Ruth Werner bezogen und so eine interessante Biografie über eine Frau geschrieben, der die "Weltrevolution" das wichtigste war, schließt Arning.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 27.02.2025
Nur 34 Jahre wurde Olga Benario alt, dennoch hatte sie viel erlebt, hält Rezensentin Nina Scholz fest, sie war Jüdin, Kommunistin und Agentin für die Sowjetunion. Nun habe der Historiker Christopher Kopper der 1942 von den Nazis Ermordeten eine nüchterne, aber zugewandte Biografie gewidmet. Von bereits früher verfassten Büchern über sie unterscheidet sich dieses laut Scholz vor allem hinsichtlich der Materialfülle: Kopper hatte Zugang etwa zu ihrer Gestapoakte, die in einem russischen Archiv liegt, lesen wir. Zwischen kommunistischer Jugend, Komintern-Einsätzen und dem Tod im KZ Ravensbrück erfährt die beeindruckte Rezensentin einiges über Widerstand im NS und sieht wichtige Anstöße, wie "abseits vom offiziellen Heldengedenken" über Kommunismus und Sozialismus nachgedacht und daraus etwas für heute gelernt werden kann - auch aus den Fehlern, die damals gemacht wurden.
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