Olga Benario, die Agentin der Komintern und Geliebte des brasilianischen Kommunisten Luis Carlos Prestes, wurde im Frühjahr 1936 in Brasilien verhaftet und an Deutschland ausgeliefert.
Robert Cohen hat die zweitausend Blatt umfassende Gestapo-Akte zu Olga Benario studiert und daraus ein ergreifendes Buch gemacht. Unumwunden offenbart sich das Vorgehen der Nazis im Zusammenhang mit dem Schicksal ihrer in Gestapo-Haft geborenen Tochter, sind die Versuche, sich über Prestes' Vaterschaft Gewissheit zu verschaffen, oder die detektivische Überwachung von Frauendelegationen aus England und Frankreich, die sich in Berlin um die Freilassung Olga Benarios bemühten, bloßgelegt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 14.09.2016
Christian Eger liest mit Spannung die Aktenauswahl, die der Literaturwissenschaftler Robert Cohen aus dem umfangreichen Gestapo-Dossier über den Fall der kommunistischen Aktivistin Olga Benario zusammengestellt hat. Obgleich bekannt, scheint ihm das Ende von Benario in einem Todestrakt der Nazis beim Lesen lange nicht festzustehen, und er bangt mit dem Opfer und teilt ihre Hoffnung auf Befreiung und Ausreise nach Mexiko. Die Einsichten in das Wirken des Machtapparates der Gestapo, in den Ablauf von Verhören und das Schwanken zwischen Rechtsstaatlichkeit und Barbarei, die die Dokumente Eger vermitteln, scheinen dem Rezensenten einzigartig.
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