Sarah Helm

Ohne Haar und ohne Namen

Im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück
Cover: Ohne Haar und ohne Namen
Theiss Verlag, Darmstadt 2016
ISBN 9783806232165
Gebunden, 800 Seiten, 38,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Martin Richter, Annabel Zettel und Michael Sailer. An einem sonnigen Morgen im Mai 1939 marschierten rund 800 Frauen - Hausfrauen, Ärztinnen, Politikerinnen, Prostituierte - durch einen Wald rund 90 km nördlich von Berlin. Ihr Ziel war Ravensbrück, ein Konzentrationslager speziell für Frauen. Dicht zusammengedrängt wurden sie durch riesige Tore getrieben, während die Wärterinnen sie traten und schlugen. Doch das war nur der Beginn ihres Martyriums und viele weitere Frauen sollten ihnen folgen. Darunter auch die Schriftstellerin Margarete Buber-Neumann, Kafkas Freundin Milena Jesenská oder die Widerstandskämpferin Olga Benario. Der Journalistin Sarah Helm gelang es, einige der heute noch lebenden Frauen dazu zu bringen, über das Unerhörte zu reden. Und so erzählt sie die grauenvolle Geschichte der Inhaftierten, aber auch die Geschichte der Frauen, die andere Frauen bewachten, erniedrigten, misshandelten und töteten.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.05.2016

Ludger Heid ist erschüttert angesichts der Geschichte des Frauen-KZs Ravensbrück, die Sarah Helm in ihrem Buch erzählt. Dass die Historikerin nicht im wissenschaftlichen Stil vorgeht, sondern die laut Heid in der Forschung marginalisierten Verbrechen in Ravensbrück, Gräuel und Tod, aber auch Hoffnung, Zuversicht, Würde und Hilfsbereitschaft umfassend und mittels Fakten und in Gesprächen eruierten persönlichen Schicksalen als kollektive Biografie darstellt, scheint ihm angemessen. Das so entstehende Bild des Lagerlebens, das für bis zu 50.000 Frauen den gewaltsamen Tod bedeutete, hat er noch nicht gesehen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.02.2016

Rezensentin Barbara Distel muss Sarah Helms Darstellung des nationalsozialistischen Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück leider jede Relevanz absprechen. Das von der Autorin angepeilte Ziel, eine Geschichte der Häftlingsfrauen anhand der Opferstimmen zu schreiben, wird laut Distel verfehlt. Der Grund ist für Distel die unzulässige Vermischung von Fakten und Fiktion, wodurch eine seriöse Aufklärung unmöglich wird. Die Vernachlässigung des historischen Kontextes, das Zitieren ohne Quellenangaben, die nicht ausgewiesene eigene Rede sowie sachliche Fehler und die schiere Informationsmenge machen es der Rezensentin schwer, sich ein kohärentes Bild über die mit Hilfe von Episoden der Lagergeschichte und Erinnerungsfragmenten Überlebender geschilderten Abläufe zu machen. Dass Helm die gesamte Forschungsgeschichte zum KZ Ravensbrück diskreditiert, indem sie sie ignoriert, findet sie unerhört.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 23.01.2016

Düster liest sich das Panorama, das Alan Posener nach Lektüre dieses Buchs vor dem Leser ausbreitet. Über 130.000 Frauen wurden in Ravensbrück, dem einzigen reinen Frauen-KZ, inhaftiert, 30- bis 50.000 wurden ermordet, auch durch Gas oder durch medizinische Experimente. Zwar sei dies keineswegs das erste Buch über das Lager, aber was Posener an Helms Ansatz trotz mancher Kritik im Detail schätzt, ist, dass die Frauen hier selbst zu Wort kommen. Und dass aus dem Buch ersichtlich wird, dass nicht etwa nur kommunistische Funktionärinnen im Lager heroisch Widerstand leisteten, sondern auch manche "Asoziale" (also Prostituierte) und besonders auch die Zeuginnen Jehovas, die so gut wie nie von ihrem Glauben abfielen und die sich auch - anders als die Kommunistinnen, die sich Plätze in der Gefangenenhierarchie erkämpften - weigerten, für Hitlers Rüstungsindustrie zu arbeiten. Manchmal hätte sich Posener gewünscht, dass diese Schicksale direkter thematisiert würden, auch wenn sie nicht ins alte kommunistische und ins neue feministische Narrativ passen.
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