Georgi Dimitroff

Georgi Dimitroff: Tagebücher 1933-1943

Band 1: Tagebücher. Band 2: Kommentare und Materialien
Cover: Georgi Dimitroff: Tagebücher 1933-1943
Aufbau Verlag, Berlin 2000
ISBN 9783351025106
Gebunden, 1485 Seiten, 51,08 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Bernhard H. Bayerlein. Aus dem Russischen und Bulgarischen übersetzt von Wladislaw Hedeler und Birgit Schliewenz. Das Tagebuch spiegelt Weltpolitik aus der Perspektive Georgi Dimitroffs und der Moskauer Führung: die Niederlage der Kommunisten und Sozialdemokraten im Jahre 1933, das Scheitern der Volksfrontpolitik, die zeitweilige Kooperation der Kremlherren mit Hitler und ihre spätere Annäherung an die Alliierten; den heroischen Kampf der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg und ihre Haltung zu den Partisanenbewegungen in Europa. Dimitroff dokumentiert das wohlbehütete Privatleben und die Traumata von Angehörigen der Nomenklatura in den Jahren des großen Terrors und des Zweiten Weltkrieges.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.09.2001

Hans Hecker referiert in seiner Rezension ausführlich den geschichtlichen Hintergrund der Kommunistischen Internationale. Georgi Dimitroff war einer ihrer führenden Politiker. Sein Tagebuch beginnt mit der Verhaftung durch die Nationalsozialisten, die ihm eine Beteiligung an dem Reichtagsbrand vorwarfen, und endet mit der Auflösung der Komintern. Nach Meinung des Rezensenten Hans Hecker sind die Tagbücher "aufschlussreich, weil sie die Mechanismen und Verhaltensweisen in einem totalitären System dokumentierten". Die Ausgabe sei zudem reichhaltig mit Anmerkungen ausgestattet und sorgfältig erarbeitet.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.09.2001

Der 1949 in der Sowjetunion gestorbene Georgi Dimitrow war in den Jahren vor dem zweiten Weltkrieg eine zentrale Figur der kommunistischen Bewegung erzählt Rezensent Christoph Güdel. Im März 1933 befand er sich in Berlin und wurde wegen angeblicher Mittäterschaft beim Reichtagsbrand von den Nationalsozialisten vor Gericht gestellt. Die Entlassung aus der Haft verdankt er sowjetischer Intervention. Später wurde er ein hoher Komintern-Funktionär unter der stalinistischen Willkürherrschaft. Sein Wissen um die in seiner Umgebung verübten Gräueltaten könne man wohl kaum in Frage stellen, meint Güdel, dennoch lasse sich mit Hilfe dieser Tagebücher seine Verantwortung als "Schreibtischtäter" nicht beweisen. Güdel findet, dass diese Publikation des Aufbau Verlags in ihrem Materialienteil "eine Fülle lesenswerter zeithistorischer Angaben" enthält, wenn auch manche "Kurzbiografie allzu kurz geraten" sei.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 05.02.2001

"Die Enttäuschung ist groß", seufzt Wilhelm von Sternburg und beschreibt zunächst die Erwartungen, die man an das Tagebuch einer zentralen Gestalt des Kommunismus hätte knüpfen können: Der bulgarische Kommunist Dimitroff hatte eine strahlende Rolle im Reichstagsbrandprozess der Nazis gespielt, wurde dadurch zu einer Kulturfigur der Linken und leitete bis 1943, also in der finstersten Zeit des Stalinismus, die Kommunistische Internationale. Wer nun glaubt, Aufschlüsse, Porträts und Reflexionen über diese Zeit in den Tagebüchern zu finden, wird von Sternburg abschlägig beschieden. Die Eintragungen erscheinen ihm banal, trocken, auf Linie, vielleicht aus "Sorge, dass seine Notizen von Stalins Häschern entdeckt werden können". Aber auch Dimitroff selbst erscheint Sternburg nicht in günstigem Licht: "Kein kritisches Wort über die Schauprozesse", kurz: "ein "schweigender Anpasser". Den Kommentarband findet Sternburg gut aufgearbeitet und beschreibt ihn als praktisches Arbeitsinstrument für Fachleute.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.01.2001

Eine schwer verdauliche Lektüre findet Reinhard Müller, Mitarbeiter am Hamburger Institut für Sozialforschung, die Tagebücher des ehemaligen Generalsekretärs der Komintern und zieht in Zweifel, ob sich der Verlag, der ja auch die Klemperer-Tagebücher mit großem Erfolg herausgebracht hat, mit der vorgeblichen Demontage dieses kommunistischen Mythos wirklich einen Gefallen getan hat. Denn anders als Klemperer, der ja die funktionalisierte Sprache des Dritten Reiches analysiert hat, bediene sich der Apparatschik Dimitroff auch in seinen Tagebüchern ausschließlich der Bürokratensprache, ohne sich davon lösen zu können. Mit anderen Worten: sperrig, kryptisch, unverständlich. Denn auch die Anmerkungen und das Personenregister könnten viele Eintragungen nicht erklären, ärgert sich Müller, der hinterrücks eine Art Personenkult wieder eingeführt sieht, nachdem er sich die ausführliche Veröffentlichungsliste der Texte und Reden Dimitroffs angeschaut hat. Und zwölf Seiten einführenden Kommentar erscheinen ihm angesichts dieses opulenten, zweibändigen und über 1000 Seiten umfassenden Werks ebenfalls etwas dürftig.
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