Aus dem Französischen von Tobias Scheffel. Im Hof des Hauses in der Rue de Grenelle steht der Fiat 500, den Großmutter gern schwungvoll fährt, weil man dann nichts von ihrer Gehbehinderung merkt. Im Erdgeschoss führte Großvater seine Arztpraxis, seit er seine Stelle in einem Pariser Krankenhaus verlor. Der getaufte Jude erkannte die Gefahr im Frankreich unter der Herrschaft des Nationalsozialismus erst spät. Seine Frau griff zur List: Sie ließ sich offiziell scheiden und versteckte ihren Mann in einem Gelass zwischen Bad und Schlafzimmer. Als der Krieg zu Ende ist, kommt ihr dritter Sohn zur Welt. Christophe Boltanski erzählt die Geschichte seiner Familie anhand der Geschichte dieses einzigartigen Hauses.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.11.2017
Rezensent Jürg Altwegg ist hin und weg von Christophe Boltanskis Familiengeschichte. Nein, einen Roman will er hier nicht erkennen, eher noch hat er den Eindruck, die gesamte Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts sei als Rahmenhandlung für die wahnwitzigen Erlebnisse der Boltanskis erdacht worden. Herrlich an dem Porträt scheint Altwegg, dass es die Irrungen und Wirrungen der französischen Vergangenheit von Vichy bis '68 in den Verrücktheiten einer Familie spiegelt bzw. umgekehrt. Die Übersetzung von Tobias Scheffel findet der Rezensent präzise und sehr lesbar.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.11.2017
Wie schon zuvor in den Büchern von Didier Eribon und Edouard Louis weht der Geist Bourdieus auch durch Christophe Boltanskis neues Buch "Das Versteck", das Rezensent Paul Jandl weniger als Roman denn als Essay liest. Der Kritiker folgt hier der Geschichte von Boltanskis Familie, die zunächst im "proletarischen Glück" in einem Pariser Bürgerhaus lebt, bis sie sich in einem Hohlraum jenes Hauses vor den Nazis versteckt. Wie detailreich der Journalist Boltanski Architektur und Interieur des Hauses skizziert, dabei Familiengeschichte, Holocaust und Vichy-Zeit mit soziologischen Analysen verknüpft, hat den Kritiker beeindruckt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 31.07.2017
Alex Rühle geht durch das autobiografische Buch von Christophe Boltanski wie durch ein Haus. Schritt für Schritt führt ihn der Autor durch die Zimmer seiner Kindheit, erzählt seine Familiengeschichte als Geschichte des Traumas des Holocausts und des Widerstands gegen Antisemitismus und Terror. Aber auch als Herkunftsgeschichte eines literarischen Werkes taugt der Band dem Rezensenten. Und wie das Haus der Familie Boltanski in Paris dem Erzähler zur inneren wie äußeren Heimat wurde, zum Gefängnis und zum Ort größter Freiheit, das liest Rühle sehr gerne.
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