Ohnmacht des Völkerrechts
Die Rückkehr des Kriegs und der Menschheitsverbrechen

dtv, München 2025
ISBN
9783423285063
Gebunden, 320 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
Syrien, Ukraine, Gaza: Ist das Völkerrecht am Ende? Gilt das Recht des Stärkeren? Mit den Kriegsverbrecherprozessen in Nürnberg nach dem zweiten Weltkrieg begann ein neues Kapitel in der Geschichte des Völkerrechts. Und nach dem Kalten Krieg schien die regelbasierte Weltordnung realistisch. Doch die Wirklichkeit im frühen 21. Jahrhundert ist eine andere, nicht erst seit Russlands Einmarsch in die Ukraine. Auch Israels Reaktion auf das Massaker vom 7. Oktober wirft Fragen auf. Christoph Safferling, internationaler Experte für Völkerrecht, zeichnet den Weg von 1945 bis heute nach und benennt doppelte Standards und blinde Flecken gerade auch der deutschen Politik. Seine Bilanz ist ernüchternd, sein Appell scharf: Gerade Deutschland muss die völkerrechtlichen Standards einfordern. Das Recht verträgt keine Kompromisse.
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Info)
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.01.2026
Der Titel des Buches lässt es nicht vermuten, aber Rezensent Hendrik Simon schöpft bei der Lektüre Hoffnung, was die Zukunft des Völkerrechts angeht. Dessen Geschichte wird hier dargestellt, wobei der Autor das Jahr 1945 und die Entscheidung der Alliierten, die Verbrechen des Zweiten Weltkriegs gerichtlich aufzuarbeiten, als eine entscheidende Wendung darstellt. Die historische Herleitung der Fragestellung ist aus einer deutsch-mitteleuropäischen Perspektive heraus entworfen, nicht-europäische Positionen zum Völkerrecht bleiben randständig, so der Kritiker. Auch gegenwärtige Diskurse um Begriffe wie "Souveränität" und "Genozid" kommen im Buch zur Sprache. Safferling macht zwar seit den Neunzigerjahren neu aufkommende Gefahren für die internationale Rechtsordnung aus, laut Simon endet sein Buch allerdings gar nicht einmal so pessimistisch. Vielmehr geht der Autor davon aus, dass das Völkerrecht sich auf die Dauer durchsetzen wird - und Simon schließt sich nach dem Lesen dieser Position an.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.01.2026
Die hier rezensierende Historikerin Annette Weinke kennt den Hintergrund des Juristen Christoph Safferling als Leiter der "Internationalen Akademie Nürnberger Prinzipien". Wenn Safferling nun eine Geschichte des Völkerrechts vorlegt, wundert sie sich kaum über Safferlings persönlichen, emotionalen Ansatz. Lesenswert findet sie das Buch wegen seiner Informationsfülle und der klaren Strukturierung in drei Kapitel, in denen der Autor die Grundbegriffe des Völkerrechts darlegt, die Ära das Kalten Krieges eigens betrachtet, um schließlich Enttäuschungen angesichts der Rückkehr der Machtpolitik zu behandeln. Dass die 1990er eine "völkerrechtsfreundliche" Zeit gewesen seien, wie der Autor behauptet, scheint laut Weinke im Buch selbst widerlegt zu werden. Der flüssige Stil und der Abschluss mit Vorschlägen insbesondre für die EU zur "Wiederbelebung" des Völlkerrechts scheinen Weinke aber milde zu stimmen und sie den Band insgesamt positiv bewerten zu lassen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 22.12.2025
Rezensentin Peggy Fiebig liest das Buch über Geschichte, Bedrohung und Chancen des Völkerrechts vom Erlanger Rechtsprofessor Christoph Safferling mit großem Interesse. Der renommierte Völkerrechtler geht laut Fiebig mit großer Klarheit auf die Theorie und die Praxis des Internationalen Rechts ein, zeichnet dessen Entstehung und unterschiedliche Stationen und Entwicklungsmarken, wie die Nürnberger Prozesse nach und beschreibt damit verbundene Hoffnungen und Enttäuschungen gleichermaßen. Besonders spannend wird es im Buch, findet Fiebig, wenn der Autor im letzten Kapitel die aktuellen Bedrohungen des Völkerrechts durch geopolitische Machtpolitik behandelt. Dass Safferling darüber nicht in Pessimismus verfällt, sondern für Entschlossenheit beim Festhalten an und bei der Verteidigung von Menschenrechten, Rechtsstaatlichkeit und Kooperation zwischen den Staaten plädiert, findet Fiebig ausgezeichnet.