Christoph Peters

Der Arm des Kraken

Roman
Cover: Der Arm des Kraken
Luchterhand Literaturverlag, München 2015
ISBN 9783630873206
Gebunden, 352 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Als der Japaner Yuki O. erschossen im Teich einer Parkanlage aufgefunden wird, steht Annegret Bartsch, Kommissarin im Vietnamdezernat der Berliner Polizei, zunächst vor einem Rätsel. Ihre Ermittlungen führen die Kommissarin in ein Labyrinth von vietnamesischen Gastronomiebetrieben, Import-Export-Firmen, Lebensmittelhandlungen und Blumenläden. Doch mit wem sie auch spricht: Überall stößt sie auf eine Mauer des Schweigens. Zur selben Zeit wird der Japaner Fumio Onishi von seiner Yakuza-Organisation nach Berlin beordert, um Yuki O.s Tod aufzuklären und Vergeltung zu üben. Fumio Onishi ist ein Meister im Handwerk des Tötens und sieht sich doch nicht als eiskalten Killer, sondern als Erbe japanischer Traditionen, wie sie die Samurai der alten Zeit verkörpert haben. Bald schon zieht er eine Blutspur durch die vietnamesische Parallelgesellschaft im Prenzlauer Berg. Schließlich versucht Annegret Bartsch, ihm mit Hilfe eines vietnamesischen Kontaktmanns eine Falle zu stellen …

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.12.2015

Ein Toter im Biedermeier-Bezirk Prenzlberg, und Rezensent Ulrich Baron ist gespannt. Das liegt an Christoph Peters' für den Rezensenten offensichtlichen Wunsch, über den Krimi hinaus Zusammenhänge und Unterschied zwischen Lebensweisen, Kulturen und Religionen zu erkunden. Etwa zwischen dem unstrukturierten Leben der Kommissarin Annegret Bartsch und dem eines toten Yakuza. Dass der Text als Großstadtroman auch seinen Reiz hat, lässt Barons Besprechung immerhin erahnen.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 05.11.2015

Caspar Shaller findet die vietnamesische Subkultur Berlins eigentlich spannend, deshalb ist er um so enttäuschter ob der vielen Klischees, die er in Christoph Peters' in diesem Milieu angesiedeltem Krimi "Der Arm des Kraken" gefunden hat. Bei Peters sind Asiaten klein, ehrgeizig und schwer auseinander zu halten, fasst der Rezensent entnervt zusammen, der eine Studie über die Ursprünge dieser Stereotype spannender gefunden hätte. Auch der eigentliche Fall bleibt eher ein Alibi für die orientalisierten Karikaturen von Japanern und Vietnamesen und fügt diesen wenig hinzu, kritisiert Shaller.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.10.2015

Felicitas von Lovenberg schätzt die Japan-Affinität des Autors, die sie bereits aus seinen früheren Romanen kennt. Wenn Christoph Peters in seinem ersten Thriller nun eine Ermittlerin den blutigen Konkurrenzkampf zwischen der japanischen und der vietnamesischen Mafia in Berlin erkunden lässt, kommt sie diesbezüglich voll auf ihre Kosten. Dass es diesmal um Samurai, Geldwäsche und Menschenhandel geht, nicht um Sushi, geht für die Rezensentin in Ordnung. Vor allem, weil Peters nicht auf kommerziellen Erfolg schielt, wie Lovenberg erkennt, sondern literarisch anspruchsvoll abwechselnd aus zwei Perspektiven erzählt und den Kontrast der Kulturen im Text spannend arrangiert.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 25.09.2015

Ein wenig unplausibel findet Sylvia Staude die Handlung von Christoph Peters' "Hochroman im Krimigenre", sie begnüge sich mit Andeutungen und offenen Enden. Doch diesen Makel macht der Autor nach Staudes Ansicht mit genauer Beobachtungsgabe und Detailverliebtheit wett. Während die Kritikerin Sibylle Lewitscharoffs im vergangenen Jahr erschienenes Buch "Killmousky" als anspruchslosen Spaß abtut, hält sie Peters' Versuch eines Mafia-Romans für "durchaus ambitioniert in Form und Handlung" und damit für gelungener, auch weil er die Konventionen des Genres gekonnt unterlaufe. Besonderes Vergnügen scheint die Rezensentin daran gehabt zu haben, wie hier zwei konträre Welten aufeinanderprallen: die Kommissarin und Mutter Annegret Bartsch mit ihren rastlos-chaotischen inneren Monologen auf der einen und die japanischen Mafiosi mit ihrer kühlen Präzision auf der anderen Seite.
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