Norbert Hummelt

Hellichter Tag

Gedichte - Autor ausgezeichnet mit dem Hölty-Preis
Cover: Hellichter Tag
Luchterhand Literaturverlag, München 2025
ISBN 9783630877891
Gebunden, 112 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

 Jeden kann es treffen, von jetzt auf gleich, dass Sicherheiten brüchig werden und kein Geländer in Reichweite ist, zumal in Berlin, der "wimmelnden stadt, stadt voller träume, wo am hellichten tag das gespenst den passanten bedrängt". Eindringlich spüren die neuen Gedichte von Norbert Hummelt dem Gefühl nach, ausgesetzt zu sein. Sie erkunden Momente, in denen sich die Verletzlichkeit unseres Lebens offenbart. In der Ablösung zwischen Vater und Tochter, den Erinnerungen an die Eltern, der Gefährdung der Natur. Es sind Verse, die aus einem weiten literarischen Hallraum kommen, von Dante bis zu Pound und Eliot. Verse, die uns zum Nachdenken bringen und die Norbert Hummelt zugleich mit einer fühlbaren Leichtigkeit meistert. Und am Ende scheint gar eine neue Liebe als utopischer Ort auf, "können wir uns hierher flüchten, wo die hagebutten leuchten u. / die dohlenvögel kreisen?"

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 03.01.2026

So toll findet Rezensentin Liane von Billerbeck die hier versammelten Gedichte Norbert Hummelts, dass sie sie sogar in der vollen Straßenbahn halblaut vor sich hin spricht. Die soghafte Wirkung dieser Verse, die vom Alltag ausgehend auf Tieferes beziehungsweise Höheres zielen, entfaltet sich laut Billerbeck nämlich, der Musik ähnlich, erst als Klang. Die Rezensentin geht auf einige Eigenheiten dieser die Brüchigkeit von Welt und Wahrnehmung betonenden Verse ein, unter anderem fragt sich, ob das stets als "u." abgekürzte Wort "und" als Stolperstein gedacht ist und zitiert einige Beispiele: "u. manchmal, wenn es an der türe klingelt u. ich nicht weiß, wer draußen steht, dann denke ich, er kommt die tassen holen." Sehr Berlinerisch findet Billerbeck solche Verse, sie fühlt sich an Kästner, Rilke und andere erinnert und ist alles in allem sehr angetan von dieser Sammlung.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 17.12.2025

Gerade die Einfachheit ist es, die Norbert Hummelts Gedichte ausmacht, stellt Rezensent Michael Eggers fest. Das hat nichts mit Banalität oder Naivität zu tun, im Gegenteil, es ist bewusster Minimalismus und Alltäglichkeit, die große Wirkung entfalten und den Kritiker an die "rhetorisch reduzierte Nachkriegsdichtung eines Günter Eich" erinnern. Kindheitserinnerungen, Impressionen von Wanderungen und Einsamkeitserfahrungen in der Großstadt spielen eine Rolle, manchmal spielt Hummelts auch mit Analogien auf die Popkultur, wenn er einige Zeilen wie Schlagertexte klingen lässt: "wir sitzen funkensprühend auf dem pulverfaß ich brauch dich/so was von heut nacht für immer fängt jetzt an heut nacht". Gerne gibt sich der Kritiker der "eigenen, fließenden Rhythmik" und der Musikalität der Lyrik hin, die durch Binnenreime und Zeilensprünge hervorgerufen wird, wie wir lesen. Ein "lyrisches Parlando", das mit seinen Rekursen auf Celan, Rilke, Dante und viele mehr nicht überheblich sein will, sondern vom Kritiker als ein "ehrliches Bekenntnis zur Dichtung" gesehen wird.