Anton Liavitski

Die Perestroika, die Intelligenzija und die Geburt des weißrussischen Populismus, 1988-1997

Cover: Die Perestroika, die Intelligenzija und die Geburt des weißrussischen Populismus, 1988-1997
Vandenhoeck und Ruprecht Verlag, Göttingen 2024
ISBN 9783525302750
Gebunden, 271 Seiten, 70,00 EUR

Klappentext

In diesem Buch befasst sich Anton Liavitski mit der Geschichte des politischen Denkens in Weißrussland zur Zeit des Übergangs des Landes zu einem autoritären Regime. Die Perestroika ermutigte verschiedene gesellschaftliche Akteure über Wandel und Reformen nachzudenken. Der Konsens, den Sozialismus zu reformieren, stammte noch aus dem alten sowjetischen Diskurs. Die Reformer nutzten bekannte Kategorien, füllten sie aber mit neuen, "liberalen" Bedeutungen. Auf diese Weise formte sich eine politische Sprache, die sowjetische Vorstellungen über Selbst, Handlungsmacht und Geschichte mit neoklassischer Wirtschaftslehre zu verbinden wusste. Thematisch hob sie insbesondere die Rolle von Individualismus, Märkten und objektiven Wirtschaftsgesetzen hervor. Diese eigenständige, innovative Sprache der Perestroika drang dann in neue Bereiche ein, passte sich jeweils an die Umstände an und löste sich schließlich in einer konservativen Gegenreaktion auf, die Alexander Lukaschenko verkörperte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.11.2024

Ist Alexander Lukaschenko ein bloßer Machtopportunist, dessen Erfolg keinerlei ideologische Komponente hat? Anton Liavitskis Buch argumentiert laut Rezensentin Antea Obinja gegen diese in wissenschaftlichen Auseinandersetzungen verbreitete Position. Der Politikwissenschaftler Liavitski zeichnet in seiner Dissertation aus einer genealogischen Perspektive nach, wie Lukaschenko in der Umbruchphase nach dem Ende der Sowjetunion an die Macht kommen konnte. Historische Quellen vermitteln, so Obinja, einen Eindruck der intellektuellen Debatten, die sich, wie das Buch darlegt, in Belarus vor allem zwischen zwei Positionen aufspannten, einer, die romantisierend auf die Sowjetunion zurückblickt und eine reformerische, auf Marktwirtschaft und damit eher auf Strukturen als auf Menschen fixierte. Die Rezensentin legt im Anschluss an Liavitski dar, wie die Reformer zunächst die Oberhand hatten, bald aber, aufgrund wirtschaftlicher Probleme und einer grassierenden Sowjetnostalgie, in die Defensive gerieten, was in Lukaschenkos Wahlsieg seinen finalen Niederschlag fand. Eine lohnende Lektüre, findet Obinja, wenn man sich auf den akademischen Schreibstil einlässt, erfährt man viel über ein Land, das zwar fest in autokratischer Hand, aber für die Demokratie, das zeigt seine Geschichte, keineswegs verloren ist.

Beliebte Bücher

Julian Barnes. Abschied(e). Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Julian Barnes: Abschied(e)
Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte…
Dorothee Elmiger. Die Holländerinnen - Roman. Carl Hanser Verlag, München, 2025.Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen
Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter…
Elias Hirschl. Schleifen - Roman. Paul Zsolnay Verlag, Wien, 2026.Elias Hirschl: Schleifen
Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In…
Leila Slimani. Trag das Feuer weiter - Roman . Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Leila Slimani: Trag das Feuer weiter
Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…