Aus dem Argentinischen von Christian Hansen. Wie haben sich das Schreiben und die Literatur im Wandel der Zeit verändert, geht es allen zu gut, um noch wirklich interessante Literatur zu schreiben? Sind Lesende die klügeren Menschen und sollten wir uns alle ein Beispiel an Dalí nehmen, der frei heraus bezeugte, er sei ein Genie? Diesen Fragen und vielen mehr folgt César Aira mit seinen fünf Essays, in denen er über die Literatur mit dem Zweck der Weltflucht reflektiert, darüber, was ihn an der Schreibmethode Roussels so fasziniert und weshalb es manchmal gut ist, nicht auf jede Frage direkt die Antwort im Internet zu finden. Dabei transponiert Aira das autobiografische Schreiben auf das Feld des Essays, wirft Fragen auf, die keine Antworten finden, und schreibt von einem Ich, ohne Persönliches preiszugeben. Und wenn er sogar das Genre des Essays selbst infrage stellt, macht Aira seinem Ruf alle Ehre.
Der Begriff des Eskapismus wird in den gegenwärtigen literaturtheoretischen Debatten in der Regel eher abwertend verwendet. César Aira jedoch stellt sich im ersten Essay seines Bandes "Weltflucht und andere Essays" gegen den Zeitgeist und seine neusten Ausformungen und verteidigt stattdessen eine Literatur, die für sich steht, als "weltflüchtiger Traum" im besten Fall, erklärt Rezensent Eberhard Falcke. Aira argumentiert hier und auch in anderen Essays als Autor und Leser der erzählenden Literatur alter Schule, könnte man sagen, wie die von Stevenson etwa, Literatur, die mitreißende, forttragende Geschichten erzählt, statt nur von sich selbst zu erzählen. Für dieses letztere zeitgeistige, politisch engagierte oder/und autofiktionale Erzählen hat Aira nicht viel übrig außer Kritik, die trotz ihrer Schärfe allerdings recht oberflächlich bleibt. Hier zeigt sich laut Falcke eine generelle Tendenz: Als Liebhaber arbeitet Aira mit viel Geschick, Präzision und Feingefühl, als Kritiker jedoch bedient er sich eher des "groben Bestecks". Dennoch sind seine Überlegungen zur Literatur intelligent, oft überraschend und absolut bereichernd, auch wenn man seine Position nicht teilt, so der Rezensent.
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