Carmen Stephan

Mal Aria

Roman
Cover: Mal Aria
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2012
ISBN 9783100751416
Gebunden, 206 Seiten, 18,99 EUR

Klappentext

Am Abend lief Carmen noch um die Wette am Strand - in der Nacht weckt sie ein kalter Schmerz. Es ist der letzte Urlaubstag ihrer Reise durch den Amazonas. Von einem Tag auf den anderen kämpft die junge Frau um ihr Leben. Kein Arzt weiß ihr zu helfen, sieht das Naheliegende. In der scheinbaren Sicherheit eines Krankenhauses geschieht das Unvorstellbare - und nur einer weiß alles: der Moskito, der Carmen gestochen hat und von da an, durch das Blut mit ihr verbunden, zur Stimme der Natur, zum sprachmächtigen Erzähler wird. Immer tiefer verbindet er sich mit Carmen, immer tiefer zieht er den Leser in ihre Geschichte - eine Parabel über die Unkontrollierbarkeit des Lebens, über die großen Fragen des Menschseins.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 22.12.2012

Für "intelligent und faszinierend geschrieben" hält Sophie Jung das Romandebüt der in Brasilien lebenden, deutschen Autorin Carmen Stephan, die darin eine im Land ebenfalls fremde Namensvetterin an Malaria sterben lässt, während die behandelnden Ärzte im Dunkeln tappen. Der Clou dabei: Die Geschichte ist aus Perspektive der Mücke geschrieben, die die Krankheit übertrug und nun nicht nur deren Fortschritt fortlaufend kommentiert, sondern sich als allwissende Erzählinstanz überdies noch in der Medizingeschichte bestens auszukennen scheint, berichtet die Rezensentin, die der Autorin in diesen Erzählmanövern einiges Geschick attestiert. Zwar packt sie zuweilen sanfter Überdruss, wenn die Mücke allzu menschelnd ins Geschehen einzugreifen versucht, doch an den "wunderschönen" Sprachbildern ändert dies freilich nichts, so die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.12.2012

Kai Spanke kann leider nur mutmaßen, wie gut dieser Roman von Carmen Stephan hätte werden können, wenn die Autorin nicht alles immer ausgeplaudert, sondern dem Leser ein paar Geheimnisse übriggelassen und sich überhaupt mehr auf die literarische Erforschung des Siechtums spezialisiert hätte. Am anfänglichen Klischeeidyll, aus dem die weibliche Hauptfigur urplötzlich in die Todeskrankheit fällt, stört sich Spanke nicht, auch nicht daran, dass die für das Drama verantwortliche Malariamücke die Erzählerrolle übernimmt. Immerhin erfährt der Rezensent so erstaunliche Einzelheiten über die Malariaforschung. Woher die Mücke so viel weiß, fragt er sich allerdings schon.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 26.10.2012

Rezensentin Sabine Vogel findet Carmen Stephans Roman über das Sterben einer jungen Frau, die bei einer Urlaubsreise mit Malaria infiziert wurde, sehr bemerkenswert. Der Autorin gelingt es ihres Erachtens, bei der Schilderung der letzten 13 Tage und Nächte dieser Frau im Fieberwahn eine ungemeine Sogwirkung zu entfalten. Geradezu "verrückt" erscheint ihr dabei die Wahl der Erzählperspektive: erzählt wird nämlich aus der Perspektive eines Moskitos, der bei der Erforschung des Innenlebens der Sterbenden viel Empathie an den Tag legt und dem Leser kundig die Kulturgeschichte der Malaria näherbringt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.10.2012

Kann man einen ganzen Roman aus der Sicht eines Insekts schreiben, fragt Rezensent Helmut Böttiger und stellt fest: ja, mit ein paar erzählerischen Tricks geht das. In seiner knappen Kritik skizziert der Rezensent die Handlung, die im Kern daraus besteht, dass eine gewisse Carmen auf einem Ritt durch den brasilianischen Tropenwald von dem erzählenden Moskito gestochen wird, dessen Schicksal sie ab jetzt teilt und mit dem sie auch stirbt. Dabei ist jede Menge Pathos im Spiel, auch eine Portion magischer Realismus, wobei natürlich der literarische Topos vom weisen, sprechenden Tier im Vordergrund steht, wie Böttiger klar macht. Ob ihm der Roman auch gefallen hat, lässt sich allerdings aus dieser Kritik nicht recht herauslesen.
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