Bernd Stöver

Der Kalte Krieg

Geschichte eines radikalen Zeitalters 1947-1991
Cover: Der Kalte Krieg
C. H. Beck Verlag, München 2007
ISBN 9783406556333
Gebunden, 528 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Mit 40 Abbildungen und 6 Karten. Das atomare Wettrüsten und der Wettlauf ins All, der Krieg der Geheimdienste und Stellvertreterkriege in der Dritten Welt, die Angst vor Kommunisten hier und die Jagd auf bourgeoise Elemente da: Der Kalte Krieg wurde weltweit und auf allen Ebenen geführt: Politiker, Künstler, Intellektuelle, religiöse Führer, ja die gesamte Bevölkerung in Ost und West standen im Bann der ideologischen Auseinandersetzung. Bernd Stöver beschreibt in dieser histoire totale erstmals umfassend den Dauerkonflikt, der mit dem Zerfall der Sowjetunion endete, aber trotzdem, so das Fazit, keine Sieger kennt.
Nachdem sich allmählich die Archive öffnen und wir immer mehr auch über die Arbeit der Geheimdienste wissen, ist ein neuer Blick auf die politisch-militärische Entwicklung möglich. Das Buch zeichnet den wissenschaftlich-technologischen Wettlauf nach, der zu spektakulären Höhepunkten in der Raumfahrt führte. Es geht dem Wettstreit der Wirtschaftssysteme nach, dem Krieg um die Rohstoffe und dem propagandistischen Kampf um die Köpfe der Menschen. Dabei richtet sich der Blick immer auch auf die "Dritte Welt", die zwischen kapitalistischem und kommunistischem Block zerrieben wurde. Dass wir bis heute an den Folgen zu tragen haben und erst allmählich aus dem Albtraum eines totalen Kriegs der Welten erwachen, zeigt das Schlusskapitel.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.06.2007

Uneingeschränkt möchte Christian Nünlist den Band nicht empfehlen. Anstatt einen neuen Standard nennt er Bernd Stövers Darstellung des Kalten Krieges lieber eine perfekte Ergänzung zu John Lewis Gaddis. Dabei lobt Nünlist die begrifflich differenzierte und forschungsbezogene Herangehensweise Stövers ebenso wie dessen "polyzentrischen" Ansatz, den Kalten Krieg als globales, multilineares Ereignis zu schildern. Nünlists Neugier auf die konkrete Umsetzung wird jedoch enttäuscht. Anstelle enzyklopädischer Beflissenheit hätte er dem Autor mehr "Mut zur Lücke" und "Talent zur Vereinfachung" gewünscht. Schließlich, so der Rezensent, sei das endlose Schwelgen in Panzer-, Flugzeug- und Raketentypen nicht jedermanns Sache. Die Darstellung des Krieges der Gesellschaften und Kulturen dagegen hätte für Nünlists Geschmack mehr als Allgemeinplätze verdient. Die ihm lohnend vorkommenden Abschnitte des Buches, zum Beispiel zur Entstehung des islamischen Fundamentalismus oder zum innerdeutschen Sonderkonflikt 1945-1990, scheinen das nicht ganz aufzuwiegen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.03.2007

Claus Leggewie empfiehlt die beiden neuen Bücher zum Kalten Krieg von John L. Gaddis und Bernd Stöver in einer gemeinsamen Besprechung, und er würde ihnen wünschen, dass derartige Publikationsereignisse auch in Deutschland die Aufmerksamkeit erhielten, die ihnen in den USA etwa sicher ist. Beide Bücher findet er lesenswert, beide bieten eine Gesamtschau des Konflikts und doch könnten die beiden unterschiedlicher nicht sein. Stöver beschreibt die Block-Konfrontation als ein höchst ausdifferenziertes System des Ost-West-Codes, das keinen Raum für Zufälle ließ, allerdings für Stellvertreterkriege auf den Nebenschauplätzen. Kennzeichnend für Stövers Buch findet er zudem seinen polyzentrischen Ansatz, eine etwas "akadenische Sprödigkeit", die allerdings "inhaltlich wie methodisch" in die Zukunft weise.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.03.2007

Arno Widmann freundet sich mit Bernd Stövers Darstellung nicht so schnell an wie mit John Lewis Gaddis "betörend" erzählter Geschichte des Kalten Krieges. Allerdings, je länger er darin liest, desto überzeugter ist der Rezensent von Stövers stilistisch etwas spröderem und für den Leser intellektuell anstrengenderem Ansatz, als Erzähler zurückzutreten und die Quellen sprechen zu lassen. So entstehe ein "viel tieferer" Eindruck" davon, wie damals gedacht und gesprochen wurde. Überzeugt ist Widmann auch von Stövers Anliegen, den globalen Charakter des Kalten Krieges zu betonen. So sei neben Deutschland eben auch Taiwan von außerordentlicher Bedeutung für die USA gewesen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.03.2007

Positiv beurteilt Rezensent Thomas Speckmann diese Geschichte des Kalten Kriegs, die der Potsdamer Historiker Bernd Stöver vorgelegt hat. Das Werk verdeutlicht für ihn anschaulich zwei Seiten des Ost-West-Konflikts, der im Zentrum "friedlich", an der Peripherie blutig geführt wurde. Er rückt in diesem Zusammenhang Afrika in den Mittelpunkt seiner Betrachtung. Dort eskalierte der Konflikt in brutalen Stellvertreterkriegen, sobald Block- und Rohstoffinteressen ins Spiel kamen, wie Speckmann an den Beispielen Kongo und Angola darlegt. Stövers Darstellung scheint ihm gelungen, gut komponiert und geschrieben, und "überaus lesenswert".
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