Bernd Eisenfeld, Ilko-Sascha Kowalczuk, Ehrhart Neubert

Die verdrängte Revolution

Der Platz des 17. Juni in der deutschen Geschichte
Cover: Die verdrängte Revolution
Edition Temmen, Bremen 2004
ISBN 9783861083870
Gebunden, 847 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Mit diesem Buch versuchen die Autoren die Ereignisse des 17. Juni 1953 in ihrer Gesamtheit zu erschließen und diesem Tag seinen Platz in der deutschen Geschichte zuzuordnen. Die Wirkungsgeschichte des 17. Juni 1953 wird aus verschiendenen Perspektiven betrachtet: vom offiziellen Bild, einschließlich der Geschichtswissenschaft der DDR, über die literarische Auseinandersetzung mit dem 17. Juni und der Rezeption autobiographischer Texte von Spitzenfunktionären der DDR, bis hin zur Erinnerungskultur des 17. Juni in der heutigen Zeit.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.10.2004

Angetan zeigt sich Rezensent Rainer Hoffmann von diesem Band über den Volksaufstandes in der Deutschen Demokratischen Republik am 17. Juni 1953. Die Autoren präsentierten eine Summe der Forschungen und Erinnerungen zum 17. Juni und erörterten "panoramatisch" nahezu alle einschlägigen Fragen dieser blutig niedergeschlagenen Revolution, die vielfach verdrängt und falsch, ideologisch einseitig bewertet oder aus verschiedensten politischen Interessen instrumentalisiert wurde. Zwar geht es den Autoren vor allem um den Platz des 17. Juni 1953 in der deutschen Geschichte, hält Hoffmann fest. Aber auch transnationale und die osteuropäischen revolutionsgeschichtliche Aspekte der Nachkriegsjahrzehnte kämen zur Sprache. So auch die Frage nach der Vergleichbarkeit der ostdeutschen Revolutionen von 1953 und 1989. Der 17. Juni 1953 gehört zu den "historischen Ereignissen, die die Deutschen miteinander und mit den anderen Europäern verbinden", zitiert der Rezensent die Autoren.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.06.2004

Nein, mit diesem Buch ist der hier rezensierende Zeitgeschichtler Hermann Wentker nicht einverstanden. Nach seiner Darstellung begreifen die Autoren Bernd Eisenfeld, Ilko-Sascha Kowalczuk und Ehrhart Neubert den 17. Juni 1953 als eine Revolution, der ein würdiger Platz unter den deutschen Revolutionen und in der europäischen Erinnerungskultur einzuräumen sei. Dafür untersuchen sie den 17. Juni im Kontext von Herrschaft und Widerstand in der DDR sowie seine Rezeptionsgeschichte im offiziellen Gedenken. Rezensent Wentker nennt das Anliegen der Autoren dabei "weniger geschichtswissenschaftlich, sondern geschichtspolitisch", was seiner Meinung nach einige Verbiegungen und Widersprüche in der Argumentation, unklare Definitionen und wacklige Konstruktionen zur Folge hat. So habe der 17. Juni mitnichten eine Traditionslinie des Widerstands in der DDR begründet, und Erich Honeckers Sozialpolitik in den siebziger Jahren begründe sich auch nicht aus der Erfahrung von 1953, sondern den Arbeiterunruhen in Polen von 1970, wendet der Rezensent kritisch ein, dem auch nicht gefällt, dass neuere Arbeiten zur Geschichte des 17. Juni vor allem mit Blick auf die Frage zensiert werden, ob sie die Revolution im Sinne der Autoren würdigen. So warnt Wentker schließlich davor, dieses "Schlüsselereignis" der DDR-Geschichte "umzudeuten und zu instrumentalisieren".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.06.2004

Franziska Augstein hat sich bei der Lektüre dieses Buches über die Geschichte des 17. Juni 1953 geärgert, war mitunter "peinlich berührt" und fand des Leseerlebnis insgesamt ziemlich "unangenehm". Die Autoren Bernd Eisenfeld, Ilko-Sascha Kowalczuk und Ehrhart Neubert, alle drei Mitarbeiter der Birthler-Behörde, versuchen in dem Buch über die "Rezeptionsgeschichte der Ereignisse des 17. Juni" die These zu stützen, dass der Arbeiteraufstand von Anfang an eine - letztlich gescheiterte - Revolution gegen das DDR-Regime gewesen ist, stellt die Rezensentin fest. Dabei, moniert sie, "korrigieren" die Autoren ohne Umstände die wesentlich "differenzierteren" Betrachtungen zum DDR-Systems, wie sie beispielsweise Jürgen Kocka vertreten hat. Noch ärgerlicher findet sie das Verfahren der Autoren, DDR-Schriftsteller auf ihre "antitotalitäre Solidität hin" zu überprüfen und "überheblich" in gut und schlecht einzuteilen. Augstein ist erbost über die Pauschalurteile, die die Autoren nicht nur den DDR-Schriftstellern zukommen lassen und meint schließlich verstimmt, dass es sich bei diesem Buch weniger um "Geschichtsinterpretation" als um "Erfindung von Geschichte" handelt.
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