Bis in die sechziger Jahre wurden nur Vertreter des "künstlerischen Terrorismus" (Richard Wagner) als Kulturhelden gefeiert - so besangen Futuristen Bombenexplosionen; Brandvisionen und Zerstörungsorgien wurden zu Bühnenereignissen. Danach verehrten die Kulturgemeinschaften bombenwerfende Kämpfer, die sich ihrer barbarischen Mittel wegen des großartigen Zwecks, der Verbesserung der Welt, bedienten. Seit zwanzig Jahren untersucht Bazon Brock den Barbaren als modernen Kulturhelden. Seine Darstellungen sind umso wichtiger, als täglich an vielen Orten von Nordirland bis Palästina systematisch und kontinuierlich solche Barbaren in Aktion treten und als Märtyrer ihrer Kulturen gefeiert werden.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.01.2003
Die etwas irritierte Rezensentin Claudia Lanfranconi schickt voraus, dass Brocks Künstlervorname Bazon auf Griechisch schlicht und ergreifend "Schwätzer" heißt. Dies wird knapp, aber deftig kommentiert: "Der Name ist Programm." In der Tat habe sich Brock in den letzten Jahrzehnten als "polemisierendes Rumpelstilzchen" der Kunstszene erwiesen. Die nun in einem tausendseitigen "bibelformatigen" Band zusammengetragenen Texte, die aus den Jahren 1991 bis 2002 stammen, stellen, so Lanfranconi, ein Manifest gegen die Kunstauffassung dar, für die es allein auf das im Betrachter hervorgerufene Empfinden ankommt. Für Brock hingegen sei Kunst letztendlich das, was durch seinen "Gestaltungsanspruch" die "Aufmerksamkeit" errege. Zwischen diesen zwei Polen, den "Wahrnehmungsmechanismen der bürgerlichen Gesellschaft" und den "Arbeitsbedingungen des modernen Künstlers" bewegen sich Brocks "philosophisch-politischen Exkurse", in denen die Rezensentin immer wieder ein und dieselbe Gedankenmethodik herausliest, nämlich "politische und soziale Phänomene" an den Pranger zu stellen, um sie dann "auf künstlerische Strategien der Moderne zu übertragen". Angesichts der "Fülle der Themen", an denen sich Brock zu "philosophischen Höhenflügen und Aussagen über den Stand der Kultur im 20. Jahrhundert X" emporschwingt, empfiehlt die Rezensentin diesen "als Telefonbuch aufgemachten" Band wie ein "Nachschlagwerk zur Kulturgeschichte" zu lesen.
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