Von The Great Gatsby über russische Speiseeis-Nostalgie bis hin zu aktuellen Techno-Events: Die Konfrontation mit der Konsumsphäre reißt die Künste wie die ästhetische Theorie aus ihren Routinen heraus. Da die bisherige Ästhetik inzwischen an den Realitäten unserer Lebenswelten vorbeigeht - das betrifft insbesondere unser Verhältnis zur Konsum- und Medienkultur -, brauchen wir dringend eine neue. Denn allzu lange haben Philosophie, Kunst- und Kulturwissenschaften allem Marktförmigen jede ästhetische Würde abgesprochen. Die Beiträge des Bandes zeigen anhand theoretischer Abhandlungen und Fallstudien, wie der Umgang mit käuflichen Gegenständen längst unser ästhetisches Verhältnis zur Welt und auch zu unseren Künsten prägt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.06.2019
Rezensent Michael Mönninger freut sich, dass die deutschsprachige Kulturwissenschaft die materielle Kulturforschung entdeckt. Der von Moritz Baßler und Heinz Drügh herausgegebene Band unternimmt das gleich mit einem Dutzend Autoren. Deren Beiträge geben dem Konsum eine ästhetische Würde, die Mönninger gar nicht für möglich gehalten hätte. So erschließt ihm Dirk Hohnsträter das kulturtechnische Potenzial des Konsums mit dem Auswählen, Unterscheiden und Entscheiden vor dem Warenregal, und Wolfgang Ullrich erkundet die moralische Seite des Shoppens mit Fair trade und Naturkost. Dass der Band mit dem Ethnologen Hans P. Hahn auch eine kritische Stimme gegen den Schulterschluss von Marketing und Kulturwissenschaft enthält, wertet Mönninger als Plus.
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